Geschichten rund um die Frankfurter Buchmesse 2008 Teil 2

Luebbe schleust ein Nena-Album ins Regal

 

Gib mir die Hand, ich bau dir . . .

Pflichttermine sind grausam. Nena zum Beispiel, deren Verhältnis zur Literatur trotz ihrer Autobiographie "Willst Du mit mir gehn?" ungeklärt ist, stakst so lustlos zum Luebbe-Stand hinüber, dass man Mitleid mit ihr haben will. Und den Herren von Luebbe geht es nicht anders. Lustlos begrüßt man sich. Lustlos erzählt Nena von einem Kinderalbum, das sie mit Mann und Kindern aufnahm. Lustlos dröhnt ein Lied vom Band über den Stand. Aber was will man machen? Tonträger seien der Trend, heißt es bei Luebbe. Buchhändler seien der Trend, heißt es in der MP3-verwirrten, nach neuen Absatzmärkten suchenden Plattenindustrie. Nenas Kinderalbum wird also auf den Vertriebswegen von Luebbe in die Kinderbuch-Regale geschleust werden. Dort wird es immer lauter. Warum nicht? math.

 

Leopold Engleitner, ältester Buchmessenteilnehmer

 

Mit 103 zu Scherzen aufgelegt

 

Der älteste Buchmessenteilnehmer war auch der unterhaltsamste: Leopold Engleitner, geboren 1905 in Österreich, gar nicht so weit entfernt von Adolf Hitler, hat als sogenannter Bibelforscher wegen Kriegsdienstverweigerung drei Konzentrationslager überlebt und saß da nun, Trachtenjanker, rosa Krawatte, Rollstuhl, und erzählte Witze aus der Kaiserzeit. Fragt der k.u.k. Oberlehrer: Warum ist der Globus so schief? Weil die Kunde von der geneigten Erdachse 1911, als Engleitner in die Schule kam, noch nicht bis nach Oberösterreich gedrungen war. Bernhard Rammerstorfer, Engleitners Kleinverleger, moderiert und übersetzt einfühlsam: "Erzähl noch mal: Was hast du 1914 in den Wagen von Kaiser Wilhelm geworfen?" Kurzes Atemanhalten. Ach so: Blumen natürlich. Alter Pazifist!

 

Wolfgang Clement rauscht vorbei

 

Merz? Krise? Find ich gut!

 

Herr Clement, kennen Sie Friedrich Merz’ "Mehr Kapitalismus wagen", das auf der Messe vorgestellt wird?Was? Merz hat ein Buch mit dem Titel "Mehr Kapitalismus wagen" geschrieben. Kenn ich nicht. Kann mir aber vorstellen, was da drinsteht.

 

Und wie finden Sie das, was Sie sich vorstellen, dass da drinsteht? Find ich gut.

 

Bitte? Der Kapitalismus geht doch gerade unter, heißt es. Ach, das ist doch nur modisch. Die Krise ist in einem Jahr vorbei.

 

Find ich gut.

 

Random House macht "Feier-Abend"

 

Eine geruhsame Nacht, dann!

 

Alles orange. Das kann schnell auf das Denkvermögen schlagen, muss Wickert gedacht haben. Ulrich Wickert, Sie erinnern sich? Der Herr am Eingang der Random House Party in der Bockenheimer Warte erinnerte sich nicht. Wie er denn überhaupt heiße, trat er dem Krimis schreibenden Pensionisten in den Weg. Der nahm es sportlich. Auf den Kissen, die überall im Depot verstreut lagen, hatten sie "Feier-Abend" gedruckt. Eben. Eine geruhsame Nacht, dann. Irgendwann.

 

Abends unterwegs

 

 

Essen bei Renate von Metzler in Bonames

 

Über Schnitzel gebeugt

 

Dass der Bundespräsident dann doch nicht gekommen war, fiel erst auf, als die ersten Gäste gingen, also sehr spät. Bei Renate von Metzlers Buchmessenempfängen spielt Prominenz keine Rolle, sie wird vorausgesetzt und im Bedarfsfall kurzerhand verliehen. Schriftsteller wie Thomas Hettche, über Nacht namenlos gewordene Banker, Verleger wie Michael Klett, Michael Krüger oder Thedel von Wallmoden beugen sich mit Petra Gerster, den Fotografinnen Barbara Klemm und Isolde Ohlbaum über die legendären Wiener Schnitzel, die hier zu jeder Buchmesse gereicht werden. Ein solches gesetztes Essen im feierlich-zwanglosen Rahmen, entspannt und kultiviert, gibt es auf der Buchmesse kein zweites Mal. Eines der Gesprächsthemen des Abends war die Frage, warum die Verlegerin Tanja Graf ab und an verstohlen eine kleine Digitalkamera aus der Handtasche zog. Die Leser dieser Buchmessenzeitung werden es bald erfahren.

 


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