Geflügelte Worte mit literarischem Ursprung

„Man muss ja immer vorsichtiger sein, was man im Internet von sich preisgibt!“

„Wieso das denn?“

„Na, du weißt doch: Big Brother is watching you“

„Bitte was??!“

Häufig benutzen wir in unserem täglichen Sprachgebrauch Phrasen und Floskeln, die uns irgendwann einmal zugeflogen sind, deren Bedeutung wir zu kennen glauben und die schließlich erstaunte Gesichter oder zustimmendes Nicken bei unseren Gesprächspartnern hervorrufen sollen. Doch bei den wenigsten Phrasen wissen wir um deren Ursprung oder eigentliche Bedeutung. Der o.g. Ausdruck „Big Brother is watching you“ ist beispielsweise nämlich keine Erfindung aus der Zeit, als zweitklassige Reality-Shows populär wurden, sondern stammt aus George Orwells Roman „1984“, der bereits 1949 erschienen ist. Darin beschreibt Orwell eine dunkle Dystopie, in der ein omnipräsenter, staatlicher Überwachungsapparat (eben „Big Brother“) sämtliche Privatsphäre seiner Bürger unterbindet.

Doch mehr als aus den Büchern der Moderne, zitieren wir sehr häufig und gerne aus klassischen Romanen, ohne zu wissen, dass gerade Goethes oder Shakespeares Worte unseren Mund verlassen. So ist der Ausspruch „Es ist nicht alles Gold, was glänzt!“ schon über 400 Jahre alt und ist eine Anlehnung an den Spruch „Nicht alles, was glänzt, ist Gold“ aus Shakespeares Komödie „Der Kaufmann von Venedig“. Der englische Dramatiker war generell gut darin, geflügelte Worte zu erschaffen; ob nun „Sein oder Nichtsein“ aus Hamlet oder „Die ganze Welt ist eine Bühne“ aus „Was ihr wollt“. Jeder kennt diese Aussprüche, doch nur wenige kennen deren Kontext oder das zitierte Werk im Detail.

Doch im Gegensatz zu so poetischen Redewendungen, haben auch recht umgangssprachliche Sprüche häufig einen literarischen Ursprung. Oder wussten Sie, dass „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ keine tadelnde Volksweisheit ist, sondern aus Charles Dickens Bildungsroman „David Copperfield“ stammt?


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