Fragebogen an: Elke Heidenreich

An Elke Heidenreich kommt keiner vorbei. Der Hanser Verlag überlässt der Autorin einen pitzentitel nach dem anderen, bei Bertelsmann startet ihre eigene Buch-Edition mit dem ersten Programm, während im Zweiten . . . Aber das ist Schnee von gestern, in dem sich die 1943 im hessischen Korbach geborene Tochter eines Kfz-Mechanikers längst keine kalten Füße mehr holt. Sie ist zu Zeiten der RAF als „Else Stratmann“ groß geworden, ihren feuilletonistischen Durchbruch erlebte die studierte Literaturkritikerin dann Anfang der Achtziger in der „Brigitte“. Häme? Elke Heidenreich ist selbst für ihre leidenschaftliche Streitlust bekannt, die freilich hinter ihrer Leidenschaft für die Oper und der temperamentvollen Liebe zum Buch zur Bedeutungslosigkeit verlischt. Sie ist eine Protagonistin des deutschen Literaturbetriebs, Förderin der Kölner Kinderoper, Freundin von Campino. Im Fragebogen spricht sie für sich selbst.

Was ist für Sie das größte Unglück? Groß: Folter, Tierquälerei, Krieg, selbstverschuldete Dummheit. Klein: Salat mit Joghurtsauce.

Wo möchten Sie leben? In Ländern, die Salat mit Essig und Öl anrichten.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Schönes Buch, Katze auf dem Bauch, kalter weißer Wein, draußen rauschender Regen und drinnen leise Bach im Radio.

Welche Fehler können Sie nicht verzeihen? Salat mit Joghurt anmachen, verliehene Bücher nicht zurückgeben.

Ihre liebste Comic-Figur? Herr Paul und Tassilo.

Ihre meistgehasste Sendung im Fernsehen? Wie viel Platz habe ich? Ich fang einfach mal an, und Sie blenden irgendwo aus: Das grunzdumme, komplett überflüssige PolitBarometer; Wetten dass; Fußballmeldungen in den Tagesnachrichten; alle Anrufshows; alle Kochshows; Die Oliver Pocher Show; Musikantenstadl. Gegenfrage: Wollen Sie nicht meine liebste Fernsehsendung wissen? Montag bis Freitag täglich 18 Uhr: Verbotene Liebe! Total sinnfrei und erholsam.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung? „Die Marquise von O.“ aus Kleists Erzählung.

Weshalb überhaupt Gedichte lesen? Um Form und Essenz zu begreifen. Und pure Schönheit: „. . . als welkten in den Himmeln ferne Gärten . . .“

Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt? Einmal vor Jahren, als das aufkam. Es war alles falsch, mein Geburtsdatum, mein Geburtsort, mein Mädchenname. Sehr komisch. Danach nie wieder, uninteressant. Aber ich google oft andere Sachen, jedoch immer mit skeptischer Vorsicht und Gegenrecherche.

Welche Kunstausstellung haben Sie zuletzt besucht? „Der Mond“ im Wallraff Richartz Museum in Köln.

Auf die Musik welches Komponisten können Sie am ehesten verzichten? Auf alle Operetten und Musicals.

Welche Eigenschaft schätzen Sie an sich selbst am meisten? Mich haut nichts um.

Welche der sieben Todsünden wird überschätzt? Alle. Lasst die Leute doch. Nur Habsucht ist wirklich grauenhaft. Der Rest: geschenkt.

Ihre Lieblingsbeschäftigung? Fremden Hunden ungefragt Zecken aus dem Fell drehen.

Mit welcher literarischen Figur können Sie sich identifizieren? Mit Zeno Cosini. Sich das Rauchen abgewöhnen ist schwer. Und mit Toni Buddenbrook: immer die falschen Männer!

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? Dass sie kalten Wein haben, wenn ich komme; dass ihnen wurscht ist, ob ich im Fernsehen bin; dass sie Salat mit Essig und Öl anmachen.

Ihre größte Leistung? Wegen eines vergessenen Manuskripts vor einer Lesung in knappen zwanzig Minuten von Bonn nach Köln und zurück unter Umgehung sämtlicher Verkehrsregeln.

Welchen Lebenstraum haben Sie aufgegeben? George Clooney rumzukriegen.

Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt? Gestern, bei dem fremden Hund, dem ich ungefragt Zecken rausgedreht habe

Ihr Lieblingswort? Hendiadioyn. Egal, was es ist, klingt fabelhaft

Was macht Sie nervös? Wenn es im Kino hinter mir tuschelt und raschelt.

Worauf können Sie verzichten? Aufs Telefon.

Welchen Roman der Weltliteratur haben Sie nicht zu Ende gelesen? „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann

Welchen Roman hätten Sie gern geschrieben oder verlegt? Gern geschrieben: „Bouvard und Pécuchet“ von Flaubert. Gern verlegt: „Harry Potter“.

Sind Sie ein Gegner oder ein Befürworter der E-Books? Gegner, wenn’s ums kulinarische Lesen, Befürworter, wenn’s ums Durcharbeiten von Manuskripten geht.

Wen würden Sie gern einmal wiedersehen? Markus Schächter, ZDF-Intendant. Ich wüsste gern, ob er sich schämt.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Sofort einzuschlafen, wenn ich müde bin.

Wie möchten Sie sterben? Saublöde Frage. Stehend? Qualvoll? Über Jahre? Natürlich schnell und schmerzlos.

Und dann? Nix „und dann“. Das war’s.


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