Kinder der Freiheit von Ken Follett – Unser Buchtipp

Follett - Kinder der FreiheitMit seinem großen Abschluss der Jahrhundert-Trilogie, Kinder der Freiheit“ möchte Ken Follett ein episches Finale vorlegen. So viel ist bereits jetzt, eine Woche vor der offiziellen Veröffentlichung, klar – Es wird ihm gelingen. Wie kaum ein anderer hat es der Brite in den letzten Jahren geschafft, die globale Historie dem Menschen des 21. Jahrhunderts mittels literarischer Innovation vorzulegen. Dass er sich im Mittelalter bestens auskennt und dort realistische Geschichten entstehen lässt, durfte man bereits im Fernsehen bewundern. Spätestens mit „Kinder der Freiheit“ sollte nun jedem klar sein, dass Ken Follett auch die Umstände des vergangenen, eines wirklich ereignisreichen Jahrhunderts, perfekt darstellen kann.

Kinder der Freiheit – Geteiltes Land, geteiltes Leid

Besonders für uns Deutsche ist das 20. Jahrhundert wie kein anderes mit unglaublich vielen markanten Ereignissen in den Annalen verankert. Deutschland war einer der zentralen Akteure des Ersten und auch des Zweiten Weltkrieges. Beide epochalen Einschnitte hat Follett in den bisherigen zwei Bänden der Jahrhundert-Saga, in „Sturz der Titanen“ und „Winter der Welt“ problematisiert. Dabei bilden die historisch belegbaren Gegebenheiten den Rahmen für individuelle Geschichten, die beispielhaft das Schicksal vieler Menschen darstellen. Genau darum geht es auch in „Kinder der Freiheit“, wobei sich das Rad der Geschichte etwas weitergedreht hat und nun die weltweite, vor allem aber die innerdeutsche Teilung in Ost und West das Hauptthema bildet. In diesem Umfeld zeigt der Autor eine ganze Reihe an Akteuren, die allesamt ihre Probleme mit der Teilung haben und auf unterschiedliche Art mit der täglichen Einschränkung umgehen.

Kinder der Freiheit – Vom Bau bis zum Fall der Mauer

Der Zeitpunkt, als ein Schutzwall im Zentrum Europas errichtet wurde und somit die Bevölkerung in zwei unterschiedliche Kategorien, Systeme und Gesellschaften trennte, ist gerade für uns Deutsche ein äußerst denkwürdiger. Sinnbildlich dafür steht Rebecca Hoffmann, die im Osten des Landes erkennen muss, dass ihr Mann jahrelang die Stasi über ihre intimsten Geheimnisse informiert. Es wäre zu engstirnig, wenn Follett in „Kinder der Freiheit“ die besagte Teilung allein auf den Deutschen Raum eingrenzen würde. Auch in den USA passiert Ereignisreiches. George Jakes wird im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit den Bürgerrechtsbewegungen konfrontiert, wobei er keinesfalls einen Unbeteiligten darstellt. Hinter dem Eisernen Vorhang ist es Dimka Dworkin, ein enger Vertrauter von Nikita Chruschtschow, der direkt miterlebt, wie sein Land und der große Kontrahent USA riskieren, ein weiteres globales Gefecht auszulösen. Wie gut ist es, heute zu wissen, dass dies gerade so noch verhindert werden konnte. Ein eisiger Schauer über die damaligen Verhältnisse huscht einem bei Folletts Lektüre „Kinder der Freiheit“ aber schon über den Rücken.


2 Kommentare zu “Kinder der Freiheit von Ken Follett – Unser Buchtipp” Eigenen verfassen
  1. Harald

    Keiner versteht es so gut wie Ken Follett, Weltgeschichte durch die Schicksale der Menschen lebendig werden zu lassen. Jahrhundertereignisse gehen dabei einher mit ganz persönlichen Beziehungsdramen. Kinder der Freiheit ist ein grandioser Unterhaltungsroman, der die Jahrhunderttrilogie würdig abschließt!

    17.01.2015
  2. Sandra Meinzenbach

    Sicher: Ken Follett hat in „Kinder der Freiheit“ ebenso wie in „Sturz der Titanen“ und „Winter der Welt“ schicksalsträchtige Ereignisse des 20. Jahrhunderts dargestellt. Und er kann seine Leser gleich zu Beginn für seine Protagonisten und ihre Geschichten begeistern. Doch im Großen und Ganzen bleibt „Kinder der Freiheit“ höchst unausgewogen. Der Mauerbau und die Situation im geteilten Deutschland, die Kuba-Krise und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung nehmen einen Großteil des Romans ein. Erst nach zwei Dritteln der gut 1200 Seiten kommt Follett über die Sechzigerjahre hinaus. Entsprechend oberflächlich gestalten sich alle späteren Ereignisse bis hin zum Fall der Berliner Mauer. Zu Anfang gelingen Follett plastische, lebendige Porträts seiner Figuren – zum Ende hin geraten sie zur bloßen Staffage für die Geschicke der Weltpolitik. Auf solche Art und Weise möchte ich historische Ereignisse nicht aneinandergereiht bekommen.
    Auch sprachlich fällt so manches unangenehm auf. Ich kenne das englische Original nicht und kann daher nicht beurteilen, was Ken Follett und was seinen Übersetzern Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher anzulasten ist. Aber dass mir gegen Ende des Romans zum x-ten Mal erklärt wird, wer auf welche Weise mit wem verwandt ist: Das muss ebenso wenig sein wie ungeschliffene Doppelungen („Ein paar Sekunden später bog Helmut, der am Steuer saß, von der Straße auf einen unbefestigten Waldweg ein“, heißt es beispielsweise auf Seite 1176). Natürlich weiß ich, dass ein typischer „Follett“ nicht mit anspruchsvoller Literatur zu vergleichen ist. Doch „Kinder der Freiheit“ enttäuscht selbst dann.

    14.01.2015
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