Filmtipp: Wanderlust

Jennifer Aniston war lange dafür bekannt, die schönsten Haare Hollywoods zu haben. Die besten Rollen hatte sie nie. Ähnlich verhält es sich mit dem Sympathieträger Paul Rudd, den zwar fast jeder ein bisschen mag, der aber so viel Charakterbandbreite hat wie ein weißes Bild auf weißer Raufaser. Beide dümpeln beständig irgendwo zwischen Romantikkomödie und Klamauk. Sie gelten als niedlich anzusehen, aber nie als großartige, überzeugende Schauspieler. Regisseur David Wain, mäßig erfolgreicher Regisseursneuling, nahm sich beider Akteure an und setzte sie in die realitätsferne, klischeebehaftete Kulisse einer amerikanischen Hippie-Kommune – nein, „Gesinnungsgemeinschaft“. Das Resultat namens „Wanderlust“ kann seit letzter Woche im Kino bestaunt werden.

New York, Kulturschocks & Neurosen

George und Linda mögen ihr Leben. Während George einer lukrativen Arbeit nachgeht, erprobt Linda ihre Anstellungen auf Herzblut und scheitert an ihnen. Ihr neuer Lebensplan besteht im Filmen von Tierdokumentationen. Bewaffnet mit ihrem ersten Werk, einer Doku über Pinguine mit Hodenkrebs, stiefelt sie zum Sender HBO, doch erfährt bitterböse Ablehnung. Zu allem Überfluss verliert auch George zeitgleich seinen Job. Das neue Einzimmer-Appartment, das sich beide gerade kauften, können sie so keinesfalls unterhalten. Beide beschließen den vorläufigen Rückzug und fühlen sich gezwungen, eine Weile bei Georges hochneurotischem Bruder unterzukommen. Dieser vermietet Dixi-Toiletten an Bauarbeiter und schwimmt in Geld. Leider kann man Ausgeglichenheit nicht kaufen. Der Kurzaufenthalt ufert in Lindas andauernder Betrunkenheit und Georges Auseinandersetzung mit seinem Versagen aus – provoziert von den cholerischen Ausbrüchen seines Bruders. So entscheidet sich das Unglückspaar dazu, zurück zur Gesinnungsgemeinschaft „Elysium“ zu fahren, die sie auf der Fahrt zum Bruder aufgrund eines Autounfalls für eine Nacht beherbergt hatte. Nach dem anfänglichen Kulturschock werfen sie ihre Klamotten von Leib und diskutieren die freie Liebe. Doch es droht Ärger im Paradies: Ein Finanzriese plant den Bau eines Casinos auf dem Gelände der Blumenkinder und ist nicht gerade zimperlich innerhalb der Umsetzung.

DVD statt Leinwand

Die Story klingt im ersten Moment so absurd, dass der Film nur gut sein kann. Dem ist leider nicht so. Das Thema Komödie ist immer ein schwieriges Unterfangen. Was der Eine zum lachen findet, veranlasst den Nächsten, den Raum zu verlassen. Es gibt herrlich schräge Situationen, die einladen, den Mund zum Lächeln zu verziehen. Besonders die immer aggressive Ex-Porno-Darstellerin, die im „Elysium“ ein neues Zuhause gefunden hat, besticht durch irrwitzige Derbheit. Davon abgesehen sind die wirklich guten Momente selten. Der Film ist leichte DVD-Unterhaltung für einen entspannten Sonntagnachmittag, doch die große Leinwand leider nicht wert.

 


2 Kommentare zu “Filmtipp: Wanderlust” Eigenen verfassen
  1. gold account

    Ich hatte mir vorab die ersten beiden Bände aus der Bücherei besorgt und gelesen, bevor ich glücklicherweise den 3. Band von vorablesen bekommen habe und ich muß sagen, daß ich doch sehr begeistert war. Den 3. Band fand ich auch noch besser als seine Vorgänger, Marina Heib versteht es, sich von Buch zu Buch zu steigern.

    4.07.2012
  2. Lisa

    Hmm, ich bin noch sehr unentschloßen, ob ich mir den Film anschauen soll.

    Ich mag beide Schauspieler eigentlich schon sehr gern, aber ich glaube ich habe noch keine einzige wirklich gute Rezension über diesen Film gelesen. Für die Meisten ist er einfach unterer Durchschnitt.

    Ich weiß nicht ob die Sympathie zu den Hauptdarstellern ausreicht, um den Film gut zu finden. Kann man sich den Film mit dem Partner anschauen?! Oder läuft mein Freund schon nach 10 Minuten aus dem Kino?! 😉 Man, man, man…

    Lg Lisa

    28.06.2012
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