Filmtipp: The Artist

Vielleicht erinnern sie sich. Es gab eine Zeit, da war der Stummfilm ganz groß. Darsteller brillierten nicht mit auswendig gelernten Dialogen, sondern setzten voll und ganz auf ihre Gestik und Mimik. Doch wie das mit der Zeit so ist, ändern sich die Dinge und der Stummfilm musste sich dem Tonfilm geschlagen geben. Mit der neuen Art des Films kamen auch neue Herausforderungen für die Schauspieler. Statt Gestik wurde Stimme wichtig, was bei einigen Stummfilmstars sogar zu einem Karriereende führte. Der wahrscheinlich bekannteste Fall ist sicher der berühmteste Dracula-Darsteller Bela Lugosi. Dessen Karriereende widmeten Tim Burton und Johnny Depp mit „Ed Wood“ fast einen eigenen Film. The Artist erzählt nun die Geschichte von Aufstieg und Fall der Stummfilmszene mit ihren gegensätzlichen Charakteren, die sich doch irgendwie einander retten.

Regisseur Michel Hazanavicius hat ein Werk geschaffen, das in Cannes brillierte und der Überraschungserfolg des Jahres werden könnte, oder zumindest einer davon. Zusätzlich geadelt durch zahlreiche Oscar-Nominierungen, auf die sich das Produktionsteam und seine Schauspieler berechtigte Hoffnungen machen können. Der Film ist eher leichte Kost. Er schafft es aber dennoch unglaublich vielsagend zu sein. Herausgekommen ist ein Remake auf alte Zeiten, dass nicht nur mit der Technik des 21. Jahrhunderts, sondern auch deren Sichtweise gedreht wurde.

Dabei stehen sich George Valentin (Jean Dujardin) und Peppy Miller (Bérénice Bejo) quasi als zwei Pole gegenüber, die sich zwar oberflächlich abstoßen. Insgeheim jedoch einander brauchen. Vielleicht ist das auch eine schöne Metapher für den Film insgesamt.

In rund 100 Minuten hat er etwas verwirklicht, dass an das „gute, alte Hollywood“ erinnert und mit einem wunderbar nostalgischen Blick berührende Momente der Stummfilmära aufleben lässt. Magische Momente werden hier auf die Leinwand gebracht und von dem Minenspiel der Schauspieler bravourös in Szene gesetzt, so dass der Film das Kino von damals zelebriert ohne sich darauf zu versteifen. Ein äußerst gelungenes Experiment. Mehr davon…

Paradoxerweise gibt es zu diesem Stummfilm auch einen Soundtrack. Hören sie doch mal rein!


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