Filmtipp: The Amazing Spider-Man – Spideys cineastische Midlife Crisis zum 50. Geburtstag

Am 28. Juni 2012 erscheint eine neu und ganz anders erzählte Geschichte des Spider-Man-Comics. Fünfzig Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen des Spinnenmannes in der Serie „Amazing Fantasies“ wird Vieles überworfen, das seit Dekaden in den Köpfen der Marvel-Liebhaber bestand. Schon jetzt ist klar, dass sich an diesem Film die Geister scheiden werden. Tobey Maguire und Kirsten Dunst haben ausgedient und statt ihrer blicken wir jetzt auf die Projektionsflächen pubertärer Ästhetikvorstellungen in Gestalt von Andrew Garfield und Emma Stone.

Spider-Mans Verwandlung Teil 2

Die Neuauflage erzählt folgende Geschichte: Peter Parker ist der Außenseiter seiner Highschool. Einzig seine Freundin aus Kindertagen Gwen Stacy findet vereinzelt ein nettes Wort für ihn. Von seinen Eltern frühzeitig verlassen, wächst er bei seiner Tante (Sally Field) und ihrem Mann (Martin Sheen) auf. Ein zufällig entdeckter Aktenkoffer seines Vaters motiviert Peter die Gründe für das Verschwinden seiner Eltern in Erfahrung zu bringen.  Es dauert nicht lange, bis seine Bemühungen ihn zu Dr. Curt Connors (Rhys Ifans) führen, der zusammen mit seinem Vater für die Oscorp Industries gearbeitet hatte. Während einer Konfrontation in der Forschungsanlage kommt es zu einem Unfall, der das Leben beider Protagonisten entscheidend verändert. Held und Antiheld finden ineinander eine tödliche Aufgabe, nachdem sie ihre Rollen verstanden und eingenommen haben.

Jung, schön & cool

Zuschauer sind mitunter schon verunsichert, wenn eine Synchronstimme ausgetauscht wird. Was aber passiert, wenn sogar der Schauspieler komplett wechselt und die Geschichte aus Gründen der Chronologie abgeändert wird? Verwirrung und Ablehnung sind die erste Reaktion, die sich aber bei mehrmaligem Ansehen der beeindruckenden Trailer relativiert. Dass der letzte Teil der Spider-Man-Trilogie an seinem gekünstelten Patriotismus und erzwungenen Slapstick-Tanz-Einlagen scheiterte, ist hinreichend bekannt. Tobey Maguire füllte die Rolle des zur Abwechslung mal nicht strahlend schönen und ziemlich introvertierten Superhelden perfekt aus. Auch nahm man Kirsten Dunst ihre Darstellung der scheiternden Schauspielerin mit Kuhaugenblick ab und fand gefallen an diesem hollywooduntypischen Paar. Doch „nicht strahlend schön“ und „Kuhaugenblick“ sind eben kein gutes Marketing, sondern eher ein Garant für leere Kinosessel. Da können die Special Effects noch so aufwendig und teuer gewesen sein. In „The Amazing Spider-Man“ spielen nun also weit schönere und jüngere Menschen die Hauptrolle, die bedenkenlos auch in „Step up“ oder anderen Hiphop-Tanzfilmen mitwirken könnten. Es hagelt plötzlich kluge Sprüche, coole Moves und irgendwie will man Andrew Garfield seine Außenseiterposition plötzlich nicht mehr ganz glauben. Selbst der Anzug wurde neu konzipiert und soll jetzt so wirken, als hätte der Highschool-Absolvent selbst daran gearbeitet – mit einer dreijährigen Ausbildung bei Karl Lagerfeld sicher kein Problem. Die Gesamterscheinung des Films kommt daher wie ein neuer Game-Topseller, was das jüngere Publikum mit Sicherheit ansprechen wird.

Recycling à la Hollywood

Doch es ist, wie es ist – wir werden damit leben müssen und uns auch an die neue Besetzung gewöhnen. Dies ist außerdem längst nicht der einzige Reboot des Drehbuchautoren und Produzenten Alex Kurtzman in naher Zukunft: Auch „Star Trek“, „Van Helsing“ und „Die Mumie“ werden mit dem Aha-Effekt einer Tine Wittler umdekoriert. Wir sind mäßig gespannt und hoffen schlussendlich auf einen Funken Inspiration für einen neuen Filmstoff. Das wäre wirklich „amazing“!


Leider gibt es noch keine Kommentare Schreib den ersten!
Kommentar schreiben

Folge buecher.de bei Twitter