Filmtipp: Russendisko (Verfilmung der Romanvorlage von Wladimir Kaminer)

Der Wodka steht kalt. Die Pelzmütze sitzt. Die Balalaika ist gestimmt. Hier ist sie nun also: die langersehnte Verfilmung der Schabernack-Sozialstudie „Russendisko“ des gleichnamigen Erfolgsromans des Berliner Kiezkönigs und Titelhelden Wladimir Kaminer. Die romantische und zum Schreien komische Leinwandadaption handelt zur Nachwendezeit, als die meisten Russen aus Deutschland abzogen, in der aber Wladimir und zwei seiner Freunde, Mischa und Andrej, die deutsche Ordnung mit viel Charme und Mut ins Chaos stürzten. Die junge Hauptstadt, Magnet skurriler Persönlichkeiten, Freidenker, Künstler und Teilzeitspinner, bereitet den drei russisch-jüdischen Immigranten einen Empfang, der zum Abschied motiviert. Mit großer Klappe, musikalischen Ambitionen, doch nur wenig Rubel bestreiten die Rüpel-Russen einen Sommer der unvergesslichen Momente und schicksalshaften Begegnungen.

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Sympathische Klischees und eine niedliche Liebe verschafften bereits der Romanvorlage eine millionenstarke Leserschaft, Beifallsstürme aus allen Richtungen und einen früh nachgesagten Kultstatus. Da war es nur recht und bestimmt nicht billig, kein Low-Budget-Projekt eines Underdogs aus dem vorliegenden Drehbuch zu realisieren. So versammelte sich das Who-is-Who der deutschen Filmbranche und darüber hinaus der sechsfache Oscar-Preisträger und Produzent Arthur Cohn, der sich mit einer zweijährigen Planung vortrefflich auf seine Produktion vorbereitet hatte. Mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle wurde wirklich nichts dem Zufall überlassen und „Russendisko“ als Rekordanwärter der Kartenverkäufe schon vorab in Stein gemeißelt. Friedrich Mücke, Christian Friedel und Peri Baumeister hatten zwar in anderen Produktionen bereits größere Auftritte, nehmen aber mit ihrer aktuellen Besetzung Anlauf auf eine neue Stufe ihrer Schauspielkarriere. Kaminer selbst wurde mit einer kleinen Gastrolle und als Sprecher der Geschichte bedacht. Seine pointenreichen Kommentare werden stellenweise von Animationen der russischen Illustratorin Alla Churikova liebevoll in Szene gesetzt, die märchenhafte, verspielte O-Töne setzt.

Dieses  Kulturportrait zum Liebhaben hätte nicht passender verwirklicht werden können: Authentisch und originell stolpert Kaminer auch durch die Stationen des Drehbuchs und hinterlässt den Eindruck eines Charakters, den der Zuschauer seinen Freund nennen möchte. „Nie etwas ausdenken, sondern dem Leben vertrauen“, war offensichtlich nicht nur das Autoren-Credo des Romans, sondern ebenfalls ein Anspruch des Films. Von Anfang bis Ende zeichnet sich das Bild einer subkulturellen Lebensweise, deren standesgemäße Kino-Premiere im besten Fall Wodka und Kaviar statt Cola und Popcorn auftischt und einen roten Teppich ausrollt, der zu gleichen Teilen mit blau und weiß durchzogen ist.


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