Filmtipp: Headhunters

Die Kinowelt der letzten Jahre war auffällig geprägt von mehrteiligen Comic-Verfilmungen aus dem Hause „Marvel“ und einem immer langweiliger werdenden Prestige-Ping-Pong, der scheinbar einzigen Schauspieler Amerikas Clooney und Pitt. Die Unterhaltungsbranche hat sich der Lebensmittelindustrie angenähert und produziert Entertainment-Fastfood am Fließband, bei dem Besonderheit zur müde belächelten Gemüsebeilage verkommt. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass ein findiger Hollywoodproduzent über den atlantischen Tellerrand schauen würde, um den europäischen Geschmack zu Rate zu ziehen.

Auf unserem Kontinent sind vornehmlich die Skandinavier ein Garant für außergewöhnliches Filmvergnügen, was die immer noch präsente Erinnerung an Leinwanderfolge wie „Adams Äpfel“, „Dänische Delikatessen“ oder „Nach der Hochzeit“ zweifelsfrei beweist. Die Wahrnehmung skandinavischer Filme schwankt zeitweilig zwischen umjubelter Kult-Groteske und melancholischem Low-Budget-Drama. Mainstream-Blockbuster werden heutzutage anders definiert. Nordeuropäisches Kino ist oft subtil erzählt und frei von aufwendigen Spezialeffekten, die all zu gerne eine flache Story kaschieren wollen. Viele Produktionen bestechen durch innovative Drehbücher, deren trockener und skurriler Humor besonders durch die rustikale Natürlichkeit der Figuren zum Tragen kommt.

Der jüngste Versuch, das oberflächliche amerikanische Kino mit einer unkonventionellen skandinavischen Idee zu versöhnen, hat weltweit funktioniert. Die viel gelobte Verfilmung der „Millennium- Trilogie“ („Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“) beruht auf einem Bestseller des schwedischen Autors Stieg Larsson. Getreu dem Motto „Never change the winning team!“, entschied sich die beteiligte Produktionsfirma „Yellow Bird“, hier erneut auf literarische Schatzsuche zu gehen und wurde schnell mit Jo Nesbo und seinem Roman „Headhunters“ fündig.  Nesbo befreite sich in jenem Buch von der thematischen Eindimensionalität seiner mehrbändig verarbeiteten Hauptfigur „Harry Hole“ und schuf einen neuen, komplexbehafteten Antihelden –  „Roger Brown“.

Auf den ersten Blick wurde Roger Brown (Aksel Hennie) vom Leben reich beschenkt: Er hat eine traumhafte Villa, eine wunderschöne und ebenso erfolgreiche Frau und er ist der gefragteste Headhunter in ganz Norwegen. Ein zweiter Blick offenbart dann aber, dass sein viel zu luxuriöser Lebenswandel nicht in Gänze von einer rechtsschaffenden Anstellung gedeckt werden kann. Zur Lösung des Problems bestiehlt er seine ahnungslosen Klienten. Bei seiner Suche nach einem passenden Geschäftsführer eines namhaften GPS-Unternehmens trifft er auf Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau).  Zufällig erfährt Brown von einem verschollen geglaubten Rubens-Gemälde, das sich in Greves Besitz befindet. In der Hoffnung, dass sich mit diesem finalen Raub seine finanziellen Fragen auf Lebenszeit beantworten lassen, stiehlt er das Bild. Doch mit der sadistischen Ebenbürtigkeit seines unnachgiebigen Verfolgers rechnet er nicht.

Trotz der geografischen Herkunft des Filmstoffs von „Headhunters“ hinkt ein Vergleich mit der „Millennium-Trilogie“. Die Regie von Morten Tyldum setzt auf Tempo durch rasant wechselnde Szenen und Schnitte, die leider hin und wieder schwer nachvollziehbar sind. Der Spannung des Thrillers nimmt dies aber nichts. Die actionreiche Verfolgungsjagd ist blutiger als so mancher Splatter-Film und endet vollkommen unvorhersehbar. Man fühlt sich stellenweise an Filme der Coen-Brüder oder Quentin Tarantino erinnert, ohne das Gefühl zu haben, eine Imitation zu sehen. Glücklicherweise zeigt sich auch in diesem Film die skandinavische Eigenheit der skurrilen Dialoge, die etwas zur Zerstreuung der brutalen Szenen beitragen.

Durchweg massenkompatibel scheint diese Produktion nicht zugeschnitten, aber Genre-Fans, die beispielsweise „Funny Games“ mochten, werden zweifelsohne begeistert sein. Die Vermutung liegt nah, dass sich der wahre Erfolg erst langfristig abzeichnet, denn Kultfilme sind nicht in jedem Fall Kassenschlager.


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