Filmtipp: Die Vermessung der Welt

Die Vermessung der WeltWenn ein junger deutscher Autor ein Werk schreibt, das sich nicht nur eine sehr lange Zeit an der Bestsellerspitze hält, sondern auch international für Aufsehen sorgt, ist es nur ein Frage der Zeit, wann seine Geschichte die Kinoleinwand erobert. Auf unseren heutigen Kinotipp, der ab morgen zu bewundern ist, habe ich mich persönlich schon vorab lange gefreut. Mit „Die Vermessung der Welt“ hat sich Regisseur Detlev Buck eindrucksvoll an den literarischen Stoff von Daniel Kehlmann heranwagt und dabei auch ein großes Budget investiert. Mit Sicherheit werden sich Wagnis und Arbeit rentieren, diese Geschichte muss einfach ankommen.

Ein Autor würdigt das Leben zweier Persönlichkeiten

Selbstverständlich halten sich weder Autor Kehlmann noch Detlev Buck („Rubbeldiekatz“) einhundertprozentig an die historischen Gegebenheiten, den Anspruch aber erheben sie gar nicht. Auch ein Goethe oder Schiller haben bei ihren historischen Dramen nicht immer alles korrekt wiedergegeben. Neben ihren Arbeiten findet sich Kehlmanns Bestseller nun im Schulunterricht. Wie viele Andere zeigte sich auch der norddeutsche Filmemacher Buck schon vor Jahren von der Geschichte begeistert. Kehlmann vereint in ihr die Biografien von Naturforscher Alexander von Humboldt und Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Beide versuchen zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Welt zu entdecken. Während sich Humboldt dafür in den Dschungel begibt, Vulkane erkundet und seine Studien selbst den Kontakt zu wilden Tieren und Kannibalen beinhalten, widmet sich Gauß in der Heimat der mathematischen Entdeckungsreise. Sie treffen sich während der Kindheit am Hof des Herzogs von Braunschweig und bei einem Kongress 1828 in Berlin. Dazwischen leisten die Beiden ihren Teil für die Nachwelt. Die Art, wie sie dies tun, könnte unterschiedlicher nicht sein.

Ein tolles Team für einen tollen Stoff

Für Buck war nach eigenen Angaben sofort klar, dass Kehlmanns Werk auf die Leinwand gehört. Dass er dafür keine Kosten und Mühen scheute und sich mit der Crew unter die Einheimischen im ecuadorianischen Dschungel mischte, um alles möglichst authentisch darzustellen, ebenfalls. Einen großen Anteil an den eindrucksvollen Bildern, die man sich auf jeden Fall in 3D ansehen sollten, trägt auch Kameramann Slawomir Idziak („Black Hawk Down“). Dieser schafft es, dem Film eine Lebendigkeit einzuhauchen, die auch der Kinobesucher spüren wird. In der Rolle des Mathematikers Gauß brilliert Florian David Fitz („Männerherzen“). Eher unbekannt ist  der am Berliner Maxim Gorki Theater arbeitende Albrecht Schuch, dessen Schauspiel in der Rolle Humboldts aber ebenso zu gefallen weiß. Beide zusammen sehen wir selten. Es ist eher ihr gemeinsamer Traum der Entdeckung der Welt, der sie eint.

Zwei ganz gewöhnliche Menschen mit Schwächen

Bei der Erfüllung dessen sehen wir zwei große Gesichter der Geschichte mit ganz menschlichen Zügen versehen. Humboldt zeigt sich eitel und selbstgerecht, stets fasziniert von den Gegebenheiten des Lebens. Auf seinen Expedition begleitet ihn der verplante Franzose Aimé Bonpland (Jérémy Kapone), mit dem er manch sonderbare Auseinandersetzung führt. Gauß hingegen wirkt abgehoben, blickt kritisch auf seinen Sohn Eugen und sucht die ewige Liebe, die er mit Johanna (Vicky Krieps) scheinbar gefunden hat. Dass beide Größen letztlich dadurch verbunden werden, dass sie all ihre Handlungen und Vorlieben der Wissenschaft unterordnen, wird an mehreren Szenen sichtbar. So steigt Gauß beispielsweise in seiner Hochzeitsnacht aus dem Bett, um einen mathematischen Gedanken auf Papier zu bringen.

 


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