Filmtipp: „Dark Shadows“ von Tim Burton

Das ultimative Dream-Team der Filmindustrie hat sich abermals einem unkonventionellen Filmstoff gewidmet und die Kult-Gothic-Soap der 60er Jahre „Dark Shadows“  für einen gleichnamigen und ähnlich grotesken Kinofilm adaptiert. Kaum eine Zusammenarbeit verspricht so viel Esprit, Liebe zum Detail und kunstvolle Interpretation wie die der beiden Querköpfe Johnny Depp und Tim Burton. Immer wieder bereiten sie uns ein unerwartet feinsinniges Geschenk zwischen all den beliebigen Hollywood-Billig-Produktionen und leisten mit ihrem Beitrag Abhilfe zum Vampir-Hype für alle, die der triefenden Schmacht-Romanzen à la „Twilight“ und „Vampires Diaries“ berechtigt überdrüssig sind.

Das Klassentreffen

John Christopher Depp II war acht Jahre alt, als die Schwarz-Weiß-Erfolgsserie eingestellt wurde. Die Erinnerung an den sympathischen Antihelden blieb allerdings bestehen. Die Verwirklichung des Kinoprojekts ging in erster Linie von Johnny Depp aus, der Tim Burton mit ins Boot holte. Die Beiden sind zwei Qualitätszertifikate, die eine risikoreiche Produktion zur sicheren Nummer gestalten. So wurde auch dieser Film zum Klassentreffen, denn auch Helena Bonham Carter gibt ihr siebentes Stelldichein, Christopher Lee ist zum fünften Mal dabei und Michelle Pfeiffer spielt nach „Batmans Rückkehr“ ihre zweite Rolle unter der Regie von Tim Burton. Neu dabei ist Eva Green, die seit „Casino Royale“ auf der Suche nach anderen schauspielerischen Herausforderungen ist. Als bösartige Hexe und Gegenspielerin von Barbaras Collins hat sie auf jeden Fall eine reizende Facette dazugewonnen.

Zum Inhalt:

1752 flieht die Familie Collins wegen eines Fluchs aus England nach Amerika und lässt sich in der beschaulichen Kleinstadt Collinsport nieder. Kinofilm 2012Innerhalb der kommenden 20 Jahre gedeiht der Spross Barnabas zum smarten Frauenschwarm, dem jedes Herz erliegt. Dumm nur, dass auch die Hexe Angelique Bouchard bei seinem Anblick schwächelt und das gleiche Leid erfährt, wie all die Frauen zuvor. Mit gebrochenem Herzen verwandelt sie Barnabas in einen Vampir und begräbt ihn bei lebendigem Leib. Zufällige Bauarbeiten befreien den Halbtoten 200 Jahre später aus seinem Gefängnis, der dann verwirrt durch eine veränderte Welt wandelt. Sein früheres Zuhause, Collinwood Manor, ist in einem ähnlich heruntergekommenen Zustand wie seine Nachfahren, die aufgrund immenser geistiger Verwirrtheit eine Psychologin zur Untermiete beherbergen. Die Freude über das Wiedersehen hält sich in Grenzen. Eine harmonische Familienzusammenführung gestaltet sich weniger schwierig, als die noch immer liebeskranke Hexe Angelique auf Abstand zu halten, die droht, die Familie mit samt Vampir auszurotten, wenn dieser nicht gefügig wird.

5 Sterne, Bienchen & ganz viel Lob

Ein humoristisches Spektakel wartet auf uns, das von der Kreativität Tim Burtons und der naiven Darstellung Johnny Depps lebt. Wieder einmal beweisen uns diese zwei ihren treffsicheren Geschmack für passende Figuren und Geschichten. Ein grandioses Szenenbild und das beinahe erhabene Ensemble gestalten auch diese Arbeit Burtons zur Fortsetzung eines beispiellosen Lebenswerks.


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  1. Sugel

    Nach dem Welterfolg „ Batman “ hatte Tim Burton mit Tom Cruise bereits einen der seinerzeit finanziell zugkräftigsten Filmstars für sein Folgeprojekt „ Edward mit den Scherenhänden “ an der Angel. Doch dann änderten der Regisseur und seine Produzentin Denise Di Novi im letzten Moment noch einmal ihre Meinung: Statt mit Tom Cruise auf Nummer sicher zu gehen, entschieden sie sich für den bis dahin nur im Fernsehen groß rausgekommenen Johnny Depp , den seine Rolle als Teenie-Idol in der 80er-Jahre-Kultserie „ 21 Jump Street “ nur noch anödete. Eine Bauchentscheidung, die nicht nur zwei der herausragenden Karrieren Hollywoods, sondern die Geschichte der Traumfabrik an sich für die folgenden Jahrzehnte maßgeblich prägen sollte. Schließlich hat das kongeniale Duo Burton/Depp in der Folge noch bei sieben weiteren Filmen – von Kritiker-Lieblingen wie „ Ed Wood “ bis hin zu Publikums-Magneten wie „ Alice im Wunderland “ – zusammengearbeitet… und ein Ende der Arbeitsbeziehung zwischen dem Regisseur und seinem Lieblingsstar, aus der längst auch im Privaten eine enge Freundschaft hervorgegangen ist, scheint noch lange nicht in Sicht. Zuletzt wurde sogar immer mal wieder gemunkelt, dass Tim Burton „ Fluch der Karibik 5 “ inszenieren soll – selbst wenn dieses Gerücht unserer Ansicht nach ganz eindeutig im Reich der Märchen zu verorten ist, zeigt es trotzdem, dass sich bei einem neuen Projekt des einen ganz automatisch die Frage stellt, ob der andere nicht auch mit von der Partie ist.

    19.05.2012
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