Filmtipp: Cloud Atlas

Cloud AtlasMit Superlativen sollte man ja immer ein wenig vorsichtig sein. Beim heutigen Filmtipp aber ist das wahrlich nicht so einfach. Ab heute bekommen Kinobesucher mit „Cloud Atlas“ ein Kinospektakel geboten, das nicht nur dank seiner Geschichte besonders eindrucksvoll daherkommt. Ganz sicher ist es bisher vielen Autoren gelungen, eine bewegende Geschichte zu erzählen, manche beinhalten sogar zwei oder drei. Einige dieser Ausführungen haben es dann auch auf die Leinwand geschafft. Die Inszenierung, auf die heute unser Augenmerk gerichtet werden soll, schafft es ganze sechs Handlungsstränge miteinander zu verweben. Dass sich diese auf fast 500 Jahre verteilen, ist ebenso Charakteristikum des Films wie einzigartige Produktionsprinzipien.

Wenn die Jahreszahlen durcheinander wirbeln

Es gibt philosophische Theorien, die von einem Geschichtsbild ausgehen, welches einer Art Kreislauf gleichkommt. Einzelne Ereignisse würden sich in diesem Konstrukt wiederholen. Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, könnten bei genauer Betrachtung dann dafür sorgen, dass wir dieses Mal richtig handeln. Der Mensch ist wandelbar und lernfähig. Dieses Prinzip hat Autor David Mitchell beschrieben, als er mit „Der Wolkenatlas“ die Romanvorlage für den Kinofilm verfasste. Im Werk zeigen sich sechs Geschichten, die unterschiedlichen Epochen entspringen, aber irgendwie miteinander in Verbindung stehen. Alles beginnt mit einem Blick auf das Jahr 1849, in dem sich Anwalt Adam Ewing (Jim Sturgess) auf einer Pazifikreise mit dem Übel des Sklavenhandels beschäftigen muss. Über vier weitere Phasen gelangt man schließlich ins Jahr 2346, wo Ziegenhirte Zachry (Tom Hanks) und Forscherin Meronym (Halle Berry) eine bedeutende Entdeckung machen.

Mehrere Geschichten verlangen mehrere Regisseure

Gute 100 Millionen Dollar hat dieses unglaubliche Szenario gekostet, mit Tom Tykwer („Das Parfüm“) führt ein Deutscher Regie. Zumindest teilweise muss man sagen, denn genau genommen hat Tykwer nur die Phasen 1936, 1973 und 2012 beaufsichtigt. Diese schließen an die anfängliche Geschichte an. Der Musiker Robert Frobisher (Ben Whishaw) findet Ewings Tagebuch und hilft einem alternden Komponisten zu neuem Ruhm. Sein Freund Rufus Sixsmith (James D´Arcy) trifft 1973 auf Luisa Rey (Halle Berry), die nicht nur eine Atom-Intrige aufspürt, sondern auch Briefe von Frobisher findet. Ihre Entdeckung ist Ausgangspunkt für ein Manuskript, das 2012 bei Verleger Timothy Cavendish (Jim Broadbent) landet. Für das weitere Geschehen übernahmen dann, wie auch für das Jahr 1849, die Geschwister Wachowski („Matrix“) das Regiezepter. Eng an der Romanvorlage orientiert erzählen sie von der geklonten Kellnerin Sonmi-451 (Doona Bae), die im Jahr 2144 von Cavendishs verfilmter Lebensgeschichte inspiriert wird und im Neo-Seoul zur Revolution auffordert.

Die Schauspieler reisen durch die Zeit

Was einem bei erstem Hinblick komisch erscheinen mag, zeigt sich im fast dreistündigen Kinoabenteuer als perfekte Symbiose. Selbstverständlich haben sich die drei Regisseure durchaus ein gemeinsames Konzept zurechtgelegt. Auch der Autor Mitchell soll an diesem mitgewirkt haben und so hat es der lange als unverfilmbar geltende Roman doch noch auf die Leinwand geschafft. Dort präsentiert er sich nun als zusammenhängendes Gebilde, was bei der Thematik keinesfalls zu erwarten war. Dafür sorgen auch die einzelnen Rollenbesetzungen. So spielt Hanks beispielsweise vier Charaktere und dadurch in unterschiedlichen Phasen mit. Dies unterstützt den Kern des Films, dass Geschichte und die Menschen, die in ihr wandeln, stets miteinander in Verbindung stehen.

 


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