Filmtipp: Bis zum Horizont, dann links!

Das Lied des Alters erklingt zumeist in Moll. Nähern sich Regisseure diesem Thema, endet das entweder klischeebehaftet oder gelungen authentisch und mit viel Ironie. Bernd Böhlich schickt seine überaus prominente Besetzung in „Bis zum Horizont, dann links!“ in die wahnwitzige Situation einer selbst verübten Flugzeugentführung. Es könnte doch jeden Tag vorbei sein…

Noch einmal das Meer sehen

Annegret (Angelica Domröse) hat die Hirntätigkeit einer 50-Jährigen, aber die sonstigen Körperfunktionen einer 70-Jährigen. Eben dieser Umstand führt dazu, dass ihre Familie sie, nach wiederholten inkontinenten Nächten, ins Seniorenheim abschiebt. Die heimische Wohnlichkeit und der freie Wille werden von heute auf morgen von einer sterilen Funktionalität und fremd verübten Tagesplanungen abgelöst. Alte Frauen werden von noch älteren Männern unsittlich beobachtet und kommentiert. An dieser Station des Lebens wünscht man sich bereits nach kurzer Zeit den Tod. Tiedgen (Otto Sander) vertritt eine recht ähnliche Auffassung. In ihm reift der Plan zum Ausbruch aus der Monotonie. Er stiehlt die Waffe eines Beamten, der zum Schäferstündchen mit der Altenpflegerin (Anna-Maria Mühe) eingekehrt ist. Eine Gelegenheit, diese einzusetzen, ist bald gefunden. Während eines Rundflugs mit der ganzen Gruppe stürmt er die Kabine und instruiert von jetzt an die Piloten (Tilo Prückner / Robert Stadlober). Hier oben wartet das Chaos und unten die Polizei.

Einfühlsamer Film mit einer beeindruckenden Riege von Altstars

Regisseur Böhlich ist wirklich ein einfühlsames Kinovergnügen gelungen. So mancher Witz streift natürlich auch hier die Grenze zum Abgehalfterten, aber ohne diese käme dieses Thema wahrscheinlich gar nicht aus. Der phänomenale Otto Sander glänzt mit einer einnehmenden Darstellung seiner Rolle, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen. Angelica Domröse war gefeierte und dann boykottierte Schauspielerin der DDR. Nach ihrer Rolle als Paula im Kultfilm „Paul und Paula“ und sehr erfolgreichen Engagements im Theater, äußerte sie sich kritisch zu der geplanten Ausbürgerung von Horst Biermann. Anschließend verschlechterte sich ihre Auftragslage und besserte sich erst wieder im westlichen Teil Berlins. Dieser Kinofilm ist eine gute Gelegenheit, sich auch wieder abseits der Abendserie zu zeigen. Ein gewohnt skurriler Herbert Feuerstein setzt weiterhin humoristische Akzente und stellt sich in eine Reihe mit vielen lang vermissten Größen des deutschen Films.


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