Filmtipp: 3096 Tage

3096 TageUnsere Kindheit ist eines der wichtigsten Güter, die wir Menschen besitzen. Das gesamte spätere Leben zehren wir von unseren Kindheitserinnerungen und schweben noch in späten Jahren in Gedanken an die durchlaufenen Erlebnisse. Umso wichtiger erscheint es, dass diese Lebensphase auch bestmöglich gefüllt und mit zahlreichen schönen Eindrücken versehen wird. Was passiert jedoch, wenn man einen Menschen dessen beraubt, wenn man ihm die Kindheit nimmt? Eine Erfahrung, die zum Glück den meisten Kindern erspart bleibt, doch auch eine, die zu vielen widerfährt. Mit Entführungsopfer Natascha Kampusch hat im Jahr 2010 eine Frau ihre Autobiografie vorgelegt, die den Leser erschüttert hat. Die Geschichte ihrer „3096 Tage“ lang anhaltenden Entführung wird ab dem morgigen Donnerstag ähnliche Gefühle hervorbringen.

Eine wahre Geschichte

Es wirkte so, als sei Natascha Kampusch der Trubel, welcher 2006 nach ihrer gelungenen Flucht um ihre Person entstand, unangenehm. Wer mag es ihr verübeln? Jedes Jahr werden Kinder auf offener Straße entführt, die wenigsten von ihnen gelangen jemals in ihr Umfeld zurück. Jedes einzelne von ihnen ist eines zu viel und dennoch ist es wohl nicht möglich, derartige Gruselszenarien zu verhindern. Nachdem sie als Zehnjährige 1998 vom Arbeitslosen Wolfgang Priklopil entführt, mehr als 3000 Tage und somit fast achteineinhalb Jahre festgehalten wurde, begann für Natascha Kampusch das Leben als nunmehr 18-Jährige neu. Diese Rückkehr ist ihr bis zum heutigen Tag nicht einfach gefallen, noch immer hat sie an den seelischen Wunden zu knabbern. Nichtsdestotrotz versucht sie den Anschluss zu finden, hat die eigene Geschichte publiziert und probiert, das Geschehene mit den eigenen Lebensansichten in Einklang zu bringen. „3096 Tage“ zeigt letztlich beides, ist natürlich auf die Entführung und jahrelange Folter konzentriert und schreckt auch davor nicht zurück, die ihr widerfahrenen sexuellen Misshandlungen zu zeigen. Der Film beweist aber auch, dass dieses schreckliche Ereignis nicht beendet ist, nur weil das Opfer flüchten konnte.

Die Arbeit des Bernd Eichinger

Als mit Bernd Eichinger zu Beginn des Jahres 2011 einer der bekanntesten deutschen Filmemacher verstarb, waren bereits zwei Drittel des Drehbuches zusammengetragen. Eichinger hatte die Rechte an Kampuschs Geschichte erworben und sich dazu entschlossen, das Script selbst zu schreiben. Insofern trägt das Resultat vor allem seine Wurzeln. Sowohl Vollender Peter Reichard als auch Regisseurin Sherry Hormann haben aber ebenso einen Anteil am Film. Dieser ist wahrlich keine leichte Kost und schafft es gerade bei den einzelnen Gräueltaten, die Peiniger Priklopil (Thure Lindhardt) Natascha Kampusch (zunächst: Amelia Pidgeon, später: Antonia Campbell-Hughes) antut, den Zuschauer in den Sitz zu pressen. Dabei geht es gar nicht einmal vorrangig darum, die Entführte als bloßes Opfer darzustellen. Vielmehr schafft es das fast zweistündige Drama, die Menschen zum Nachdenken zu bringen und ihnen einen Hauch an Verständnis für das, was in einem entführten Heranwachsenden bzw. einem der Kindheit beraubten Erwachsenen vorgeht, abzugewinnen.

 


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