F.A.Z.- Fragebogen: Wolf Haas – Kriminalschriftsteller

Wolf Haas

Seit ich mit Wolf Haas bei einem Interview überaus nett ins Fachsimpeln über Pop geriet, versuche ich ihm einen Zeitungsartikel über seinen Lieblingsmusiker Bonnie „Prince“ Billy zu entlocken – bislang erfolglos. Simon Brenner, erst Kommissar, dann private eye, inzwischen Chauffeur und Kindermädchen, hört dagegen vorzugsweise Jimi Hendrix, was im neuen Buch „Der Brenner und der liebe Gott“ sogar zur Wahrheitsfindung beiträgt. Zuvor hatte er im Interview-Roman „Das Wetter vor fünfzehn Jahren“ einen Schriftsteller „Wolf Haas“ und eine Dame namens „Literaturbeilage“ in den Adelstand der Romanfiguren erhoben. Wem wer wann beiliegt, ist ja gerade auf der Buchmesse mit ihren vielen unterbesetzten Doppelzimmern weiß Gott ein Dauerthema. Ach, in der Zeit zwischen zwei Büchern könne so viel passieren, sagte Haas neulich, man könne sich verlieben und wieder entlieben, und so komme es eben zu seiner Inkonsequenz, den bereits abgewrackten Brenner, diese sehr österreichische Eigenmischung aus Theologie, Linguistik und charmantem Chauvinismus, wieder auf Freiersfüßen ermitteln zu lassen.

 

rik

 

Wie waren die letzten Tage?

Überaus angenehm und ruhig.

 

Was ist für Sie das größte Unglück?

Nicht nur, dass es keinen Gott gibt – versuchen Sie mal, am Sonntag einen Klempner zu bekommen!  (Diese Antwort hat mein Ghostwriter Woody Allen verfasst.)

 

Wo möchten Sie leben?

In Wien.

 

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Selbstvergessenheit.

 

Welche Fehler können Sie nicht verzeihen?

Dauerreden.  Qua qua qua!

 

Ihre liebste Comic-Figur?
Marjane Satrapi.

 

Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung?

Luise aus Ernst Jandls „Laut und Luise“.

 

Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt?

Heute.

 

Welche Kunstausstellung haben Sie zuletzt besucht?

Cy Twombly in Wien.

 

Auf die Musik welches Komponisten können Sie am ehesten verzichten?

Wie heißt der Kerl, der die Champions-League-Hymne komponiert hat?

 

Welche der sieben Todsünden wird überschätzt?

Über diese Frage denke ich jetzt schon seit zwei Stunden nach.  Das kommt von meiner Trägheit des Geistes (Acedia) und ist nicht sehr schlimm.

 

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Lügen.

 

Mit welcher literarischen Figur können Sie sich identifizieren?

Mit „Wolf Haas“ aus „Das Wetter vor 15 Jahren“.

 

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Wenn es ihnen egal ist, dass ich mich länger nicht melde.

 

Welchen Lebenstraum haben Sie aufgegeben?

Fitness.

 

Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt?

Heute dafür, dass ich auf der Buchmesse wen angespuckt hab.  Aber versehentlich.

 

Ihr Lieblingswort?

ding.

 

Was macht Sie nervös?

Wenn mehr als ein Mensch im Raum ist.  Inklusive mir selbst.

 

Worauf können Sie verzichten?

Auf die einschränkende Relativierung eines überschwänglichen Lobes meines Buches.

 

Welchen Roman der Weltliteratur haben Sie nicht zu Ende gelesen?

Das ergäbe eine so lange Liste, die wieder niemand zu Ende lesen würde.

 

Welchen hätten Sie gern selbst geschrieben?

Madame Bovary.

 

Sind Sie ein Gegner oder ein Befürworter von E-Books?

Vorläufig nervt’s mich noch, aber irgendwann wird man sich wohl ergeben.

 

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Schnell lesen.

 

Wie möchten Sie sterben?

Vollgefressen.

 

Und dann?

Nachspeise.

 

Bildquelle: goon-magazine.de


Ein Kommentar zu “F.A.Z.- Fragebogen: Wolf Haas – Kriminalschriftsteller” Eigenen verfassen
  1. Lydia Grosser

    Da muß einen schon vieles Wurst sein, um so ein Interview zu geben.

    30.03.2015
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