F.A.Z.-Fragebogen: Literaturkritiker James Wood

james wood

Auch James Wood gehört zu den Kritikern, die es irgendwann einmal wirklich wissen wollten und ihren ersten Roman geschrieben haben. Das Scheitern machte den 1965 im englischen Durham geborenen Sohn eines Zoologen erst so richtig gut und verlieh seinen Rezensionen neuen Biss. Wood, der Anfang der Neunziger für den Londoner „Guardian“ schrieb und 2007 von der linken „New Republic“ zum „New Yorker“ wechselte, ist heute einer der angesehensten Literaturkritiker der englischsprachigen Welt. Autoren loben ihn, weil sie ihn fürchten: Martin Amis nannte ihn „a marvellous critic, one of the few remaining“, zu den Heroen seines literarischen Olymps zählen Saul Bellow und Henry James. Seine Kritiker rümpfen über das Ideal eines hohen Ästhetizismus, der Woods Feder führt, gern ihre Nasen und flüchten sich vor ihm auf die durchgesessene Couch postmoderner Theorie. Wood ist mit der amerikanischen Schriftstellerin Claire Messud verheiratet.


Was ist für Sie das größte Unglück?

Die Abwesenheit Gottes
(obwohl die Gegenwart Gottes auch tragisch wäre).

Wo möchten Sie leben?

Auf der Insel Skye.


Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Nach Norden fahren, in Richtung einer Kathedralstadt.


Welche Fehler können Sie nicht verzeihen?

Fehler lassen sich immer verzeihen, oder?


Ihre liebste Comic-Figur?

Ich habe keine.


Ihre meistgehasste Sendung im Fernsehen?

Fox News.


Ihre Lieblingsheldin in der Dichtung?

Effi Briest; Mrs. Ramsay; die Erzählerinnen aus Lydia Davis‘ Stories.


Weshalb überhaupt Gedichte lesen?

Wie könnte man Prosa lesen und nicht auch Gedichte?


Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt?

Heute Morgen, zweifellos.


Welche Kunstausstellung haben Sie zuletzt besucht?

Sol Lewitt, im MassMOCA.


Auf die Musik welches Komponisten könnten Sie am ehesten verzichten?

Philip Glass.


Welche Eigenschaft schätzen Sie an sich selbst am meisten?
Unnützes Mitgefühl.


Welche der sieben Todsünden wird überschätzt?

Nur eine?


Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Klavier zu spielen (ganz vernünftig), Trommel zu spielen (unvernünftig).


Mit welcher literarischen Figur können Sie sich identifizieren?

Anton Tschechow, in meinen Träumen.


Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Ihre Verschwiegenheit.


Ihre größte Leistung?

Mich nicht unwiderruflich mit meinen Eltern zerstritten zu haben.


Welchen Lebenstraum haben Sie aufgegeben?

Ein professioneller Musiker zu werden.


Wie war das erste Jahr der globalen Krise für Sie?

Welche der vielen globalen Krisen?


Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt?

Nicht genug Milch fürs Frühstücksmüsli meiner Kinder besorgt zu haben.


Ihr Lieblingswort?

Landesverräter.


Was macht Sie nervös?

Fragen.


Worauf können Sie verzichten?

Telefon.


Welchen Roman der Weltliteratur haben Sie nicht zu Ende gelesen?

„Die Gesandten“ von Henry James.


Welchen Roman hätten Sie gern geschrieben?

„Junger Mond“ von Cesare Pavese.


Was halten Sie von E-Books?

Ich muss mich hinsetzen, um auf diese Frage zu antworten.


Wen würden Sie gern einmal wiedersehen?

Meine erste Freundin, für ungefähr eine Stunde.


Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Stärkeren Haarwuchs.


Wie möchten Sie sterben?

Ich möchte gar nicht sterben.


Und dann?

Damit ich weiterleben kann.



Bildquelle: www.bostontheological.org


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