F.A.Z. – Fragebogen: Aleksandar Hemon

Eigentlich hat Aleksandar Hemon gerade keine Zeit für Fragen. Er war andauernd mit Lazarusunterwegs, seinem im vergangenen Jahr für den National Book Award nominierten Roman, inzwischen ist in den Vereinigten Staaten bereits sein neues Buch erschienen, dieser Tage erwartet seine Frau das zweite Kind. Ein Mädchen? Keine Ahnung, aber alle anderen Fragen hat der 1964 in Sarajevo geborene Schriftsteller, der seit 1992 in Amerika lebt, zwischendurch dann doch noch beantwortet. Wie war es denn nun, das erste Jahr unserer vielzitierten Krise? „Welche Krise meinen Sie?“, antwortet Hemon, der Sohn einer serbischen Mutter und eines bosnischen Vaters, für den das Wort von der Krise natürlich eine andere Farbe hat als die Klage über ein ungebügeltes Hemd.


Bildquelle: www.quarterlyconversation.com

Wie gut ist sein Englisch?

„Meine Frau“, so Hemon, „liest meine Sachen und sagt: So sagen wir das aber nicht in Amerika.“ Jetzt schon, denn Hemon schenkt der amerikanischen Sprache einen ganz neuen Klang.


Was ist für Sie das größte Unglück?

Der Tod eines geliebten Menschen.


Wo möchten Sie leben?

An vielen Orten, solang ich dort ein Zuhause habe, was am liebsten in Chicago sein sollte.


Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Das Lachen meiner Tochter.


Welche Fehler können Sie nicht verzeihen?

Die, die andere Leute verletzen.


Ihre meist gehasste Sendung im Fernsehen?

Ich hasse Fernsehen.


Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung?

Emma Bovary.


Weshalb überhaupt Gedichte lesen?

Gegenfrage: Weshalb atmen?


Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt?

Heute Morgen.


Welche Kunstausstellung haben Sie zuletzt besucht?

Die Turfan-Sammlung im Museum für Asiatische Kunst in Berlin-Dahlem.


Auf die Musik welches Komponisten können Sie am ehesten verzichten?

Aaron Copeland.


Welche Eigenschaft schätzen Sie an sich selbst am meisten?

Neugier.


Welche der sieben Todsünden wird überschätzt?

Die Sünde wird überbewertet.  Oder als produktive Aktivität unterschätzt.


Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Fußball spielen.


Mit welcher literarischen Figur können Sie sich identifizieren?

Mit keiner.


Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Loyalität, Neugier und die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen.


Ihre größte Leistung?

Ich bin einmal während einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt eingeschlafen.  Das – und nie, unter keinen Umständen das Schreiben aufzugeben.


Welchen Lebenstraum haben Sie aufgegeben?

Ein professioneller Fußballspieler zu werden.


Wofür haben Sie sich zuletzt entschuldigt?

Anderen Leuten Beleidigungen an den Kopf geworfen zu haben.


Ihr Lieblingswort?

In welcher Sprache?


Was macht Sie nervös?

Die globale Erderwärmung.


Worauf können Sie verzichten?

Autos.


Welchen Roman der Weltliteratur haben Sie nicht zu Ende gelesen?

Melvilles „Moby-Dick“ und Don DeLillos „Unterwelt“.


Welchen Roman hätten Sie gern geschrieben oder verlegt?

Nabokovs „Lolita“ und Cormac McCarthys „Die Abendröte im Westen“.


Sind Sie ein Gegner oder ein Befürworter der E-Books?

E-Books sind für diejenigen, die gern Dan Brown lesen.  Ich sehe Bücher gern im Regal – einige, die ich nicht gelesen habe, einige, die ich mir von anderen geliehen habe.


Wen würden Sie gern einmal wiedersehen?

Ich habe so viele Freunde, die ich schon lange Zeit nicht mehr gesehen habe. Die Liste wäre buchstäblich endlos.


Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Das absolute Gehör.


Wie möchten Sie sterben?

Sehr, sehr alt.

Und dann?

Nichts.


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