Ernest Hemingway braucht nur sechs Worte

six-word-flash, kurz, Flash-FictionDass Ernest Hemingway schon immer als ein ganz besonderes Exemplar der Literaturgeschichte anzusehen ist, daran besteht keinerlei Zweifel. Seine Werke waren einzigartig, geprägt von nüchterner und teilweise auch verbitterter Weltbetrachtung. Entstanden sind viele von ihnen bei einem alten Whisky in irgendeiner Spelunke im Herzen von Key West am Fuße Floridas. Doch was viele, die seine großen Romane gelesen haben, gar nicht wissen – Hemingway war auch ein Meister der Kürze, die heute mehr denn je begeisterte Nachahmer findet. Als einer der Begründer der Flash Fiction hat es Hemingway sogar geschafft, mit sechs Worten eine Geschichte zu erzählen und so zählt „For sale: baby shoes, never worn“ zu den kürzesten Geschichten der Welt, auch, wenn sie nie als Buch bestellbar war.

Vermutlich ist diese ganz besondere Kurzgeschichte Resultat einer Wette am „round table“ im Algonquin, wo Hemingway mit Gleichgesinnten zusammensaß und meinte, er könne eine Geschichte mit weniger als zehn Worten schreiben. Kurze Zeit darauf hatte er einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende – der Six-Word-Flash war geboren und Hemingway bekam von jedem zehn Dollar. Sein Abend war also gerettet und in der Literatur eine neue Variante geboren, die Mitte der 90er-Jahre Vorlage für das Theaterstück „Papa“ von John de Groot werden sollte, auch weil die Entstehungsgeschichte erst jetzt bekannt wurde. Persönlich hat sich Hemingway zu dieser etwas anderen Geschichte nie geäußert und so bleibt es bis dato verborgen, was er mit ihr erzählen wollte. Genau darin aber liegt das Interessante der Flash Fiction – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.


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  1. Filip De Nys

    So ist es : der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt…
    Auch bei den kürzesten Kurzfilmen gilt das, in vielen Fällen, je kürzer desto stärker…

    13.10.2017
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