DVD-Tipp: Unsere Mütter, unsere Väter

Unsere Mütter, unsere VäterGeschichte ist stets subjektiv. Gerade aus diesem Grund diskutieren wir in den verschiedensten Facetten über das Geschehene. Über jene historische Phasen, von denen uns heute nur noch schriftliche Bruchstücke vorliegen, gibt es zumeist die am weitesten gefächerten Theorien, da alles möglich und wenig unmöglich erscheint. Mit den Beweisen ist es eben sehr spärlich bestellt. Umso interessanter und demnach auch wichtiger ist es, dass wir uns mit Menschen, die eine eben solche Phase direkt erlebt haben, in den Diskurs begeben. Nur so können wir erfahren, wie es damals wirklich war. Selbstverständlich hat auch hier jeder seine eigene Wahrheit. Im ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ scheint diese Wahrheit aber sehr authentisch, sie ist in jedem Fall ungeschminkt.

Eine Geschichte, die uns Deutsche interessiert

Immer, wenn es um das Thema Zweiter Weltkrieg geht, spitzen viele ihre Ohren. Die Sonderstellung des Deutschen Volkes in ihm bedeutet auch für uns, die zweite oder dritte Nachfolgegeneration, dass wir uns mit dem Thema auf eine verstärkte Weise auseinandersetzen müssen. Dabei ist es wichtig, die Schuld nicht von sich zu weisen, auch wenn gerade sie es ist, über die am häufigsten debattiert wird. Rund ein Fünftel der deutschen Fernsehzuschauer hat sich Mitte März dazu entschlossen, die Kriegsinterpretation von Regisseur Philipp Kadelbach und Produzent Nico Hofmann anzusehen, selbst bei der jugendlichen Zielgruppe weckte man ein großes Interesse. Erzählt wird die Geschichte von fünf Freunden aus dem Jahr 1941, die den Krieg in all seinen Facetten auf unterschiedliche Art und Weise erleben. Die Soldaten Wilhelm und Friedrich gehen an die Front, Charlotte opfert sich als Krankenschwester im Lazarett, Künstlerin Greta versucht sich als Gesangstalent und Freund Viktor, der einzige Jude unter den fünfen, bei polnischen Partisanen.

Keine Helden, sondern Menschen wie viele andere

Das große Plus der Reihe ist, dass die Macher sich keinesfalls darauf konzentrierten, Kriegshelden in die Geschichte einzubinden. Die Figuren haben allesamt mit den Problemen des Krieges zu kämpfen, sie machen Fehler und zeigen zu jeder Zeit, wie überrumpelt sie von den Elementen der Zeit wurden. Als sich drei der fünf 1945 in Berlin wiedertreffen, ist einiges an ihnen vorübergezogen. Wilhelm, anfangs mit großer Kriegseuphorie bestückt, bricht mit seinen eigenen Idealen. Er gerät in die Mangel der Sowjets, überlebt einen Granateneinschlag nur knapp, um anschließend als Deserteur fast zu Tode verurteilt zu werden. Charlotte, von Beginn an in ihn verliebt, folgt ihm an die Front, verrät im Lazarett eine jüdische Krankenschwester, um später durch Soldaten der Roten Armee vergewaltigt zu werden. Auch Viktor überlebt. Nachdem er auf dem Weg ins Konzentrationslager flüchten kann, sucht er bei polnischen Partisanen Hilfe. Doch auch hier spürt er den täglichen Antisemitismus und wird nach der Freilassung gefangener Juden von der Gruppe ausgeschlossen. Dass er es schafft, verdankt er Friedrich, der ihn zwischendurch laufen lässt, später aber für seine Einheit zum Märtyrer wird. Auch Greta, die am Anfang am wenigsten mit dem Kriegsgeschehen zu tun hat, wird das Wiedersehen 1945 nicht erleben. Naiv geht sie in den Krieg, unterschätzt das Ausmaß, um kurz vor Kriegsende als Volksverhetzerin liquidiert zu werden. Es sind die grausamen Facetten des Kriegslebens, die in all seinen Grautönen beeindruckend dargestellt werden und so durchaus als ein Zeugnis der Geschichte anzuerkennen sind.


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