Druckfrisch: Das Imperium von Christian Kracht

Für Christian Kracht war es ein durchaus als turbulent zu bezeichnender Monat. Sein neuer Roman “Imperium” veranlasste Spiegel-Literaturkritiker Georg Diez, Kracht ein “vermeintlich rechtes Weltbild” zu unterstellen. Was Verlag Kiepenheuer & Witsch und der Autor selber selbstverständlich umgehend, noch am Erscheinungsdatum von “Imperium”, dementierten. Verlagsseitig wurde eine Erklärung veröffentlicht, die dem Spiegelredakteur Bösartigkeit unterstellte und seine Kritik als “perfide” bewertete. Natürlich wissen wir, dass gegenseitige Unterstellungen selten zu einem für beide Seiten befriedigenden Ergebnis führen. Und so war es auch in diesem Fall. Schnell griffen bekannte Autoren wie Elfriede Jelinek oder Peter Stamm für ihren Kollegen Kracht Partei und warfen dem Spiegel vor, eine “Grenze zwischen Kritik und Denunziation überschritten” zu haben. Kracht und der Spiegel hatten sich damit ihren eigenen “Rubikon” geschaffen, dessen Wogen es nun zu glätten galt. Doch welche Seite hat hier recht? Ist es tatsächlich Christian Kracht, der darauf hinweist, einen Roman verfasst zu haben, dessen Textstellen fiktiv sind? Dabei lädt das Thema des Romans “Imperium” per se schon zu Missverständnissen ein. In ihm geht es nämlich um die reale Person August Engelhardt, der ganz im Stile eines imperialistischen Kolonialherren um 1900 auf Neuguinea eine neue Religion begründete. Die, das darf man mit Fug und Recht sagen, einigermaßen skurril in sich selbst anmutet. Handelt es sich doch dabei um einen Sonnenorden, der irgendwie die Kokosnus verehrt. Was Engelhardt zu so sagenhaften Äußerungen veranlasste, wie “die reine Kokosdiät macht unsterblich und vereint mit Gott”.

Erstaunlich, dass der sonst so differenziert-kritische Spiegel sich von Kracht so hat blenden lassen. Oder liegt Diez hier doch richtig und seine Unterstellung muss erlaubt sein? Darf Literaturkritik den Autor eines Romans für das Handeln dessen Figuren verantwortlich machen?

Dieser Frage stellte sich Autor Christian Kracht in der gestrigen Sendung “Druckfrisch” in der ARD. Gewohnt provokativ konnte Kracht in seinen Zeilen kein verstecktes “Hakenkreuz entdecken”. Ihm ging es nur darum ein unterhaltsames Buch zu schreiben und wenn wir uns die letzten Wochen anschauen – Krachts Absagen zu Lesungen inklusive – dann ist ihm das unbedingt gelungen!

Unser Buch-Tipp für die Woche: “Imperium” von Christian Kracht.


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