Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2011

Vor einigen Wochen haben wir die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2011 vorgestellt und aus ihr drei Exemplare ein wenig genauer unter die Lupe genommen. Nun hat die Jury die Auswahl auf sechs Romane deutscher Sprache zur Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2011 eingegrenzt und immerhin hat es einer unserer Kandidaten unter die Besten geschafft. Am 10. Oktober wird der Gewinner der 25.000 Euro Preisgeld im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Bis dahin darf spekuliert werden, wer die Nachfolge von Melinda Nadj Abonji antreten wird.

Deutscher Buchpreis, 2011, BuselmeierMichael Buselmeier: „Wunsiedel“

Die Geschichte ist schnell erzählt. Moritz Schoppe hat einst im kleinen fränkischen Städtchen auf der Theaterbühne sein blaues Wunder erlebt. Ein Schrecken, der ihm noch immer tief im Nacken sitzt und den er nun, 44 Jahre danach, mit seiner Rückkehr ein für alle Mal beenden möchte. Der Leser begleitet ihn dabei auf zahlreichen Spaziergängen und Monologen der ganz besonderen Art.

Deutscher Buchpreis, Ruge, 2011Eugen Ruge: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“

Brillant und dennoch so alltäglich ist die Ausführung von Eugen Ruge über das Schicksal einer Familie, die generationenübergreifend den Weg in die DDR wählt. Die Großeltern, die einst nach Mexiko geflüchtet sind, ziehen in die neugegründete Republik. Auch ihr Sohn erkennt das Potenzial und kommt vom Ural. Das Ganze wirkt so lange idyllisch, bis dem Enkel die Enge zur Last wird und er in den Westen flieht.

Deutscher Buchpreis, 2011, StreeruwitzMarlene Streeruwitz: „Die Schmerzmacherin“

Amy ist Angestellte einer Sicherheitsfirma. Sie hat sich nie beschwert. Doch als sie die dunklen Machenschaften im Hintergrund bemerkt, all die Gewalttätigkeit und Korruption, zieht sie einen Schlussstrich. Dadurch dringt sie noch mehr an den Abgrund und verliert schon bald das Gefühl dafür, was wirklich real und was nur Resultat ihrer grausigen Befürchtungen ist.

Klüssendorf, Deutscher Buchpreis, 2011Angelika Klüssendorf: „Das Mädchen“

Was passiert, wenn ein kleines Mädchen kein kleines Mädchen sein darf? Was, wenn ihre Eltern sie misshandeln, ihr Bruder sich abkapselt und auch die Schulkameraden sie meiden? Sie holt sich das, was sie will und beginnt zu klauen. Als das auffliegt, kommt sie in ein Kinderheim. Was anfangs paradox klingen muss – genau hier kann sie endlich ihr Kindesdasein ausleben.

Lewitscharoff, Deutscher Buchpreis, 2011Sibylle Lewitscharoff: „Blumenberg“

Das vielleicht amüsanteste Werk in der Auswahl brilliert mit Witz und trotzdem einer gewissen Tiefe, die sich erst im Lauf des Romans so wirklich entfalten kann. Alles beginnt mit einem Löwen im Arbeitszimmer des Philosophen Blumenberg. Als dieser dann auch noch in seiner Vorlesung erscheint und nicht von jedem erblickt wird, beginnt das eigentliche Geschehen, denn der Löwe scheint vieles zu bewegen.

Brandt, Deutscher Buchpreis, 2011Jan Brandt: „Gegen die Welt“

Über Brandts Buch habe ich bereits geschrieben. Bemerkenswert sachlich wird hier das Verhältnis von Mensch und Masse dargestellt, wie es einst vom großen Elias Canetti in Perfektion analysiert wurde. Der Roman, in dem ein junger Kerl das Dorf vergeblich von seiner Unschuld zu überzeugen versucht, ist ein ideales Zeugnis unserer Gesellschaft, die sich stets ein mehr oder weniger eigenes Bild aufbaut.


2 Kommentare zu “Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2011” Eigenen verfassen
  1. […] an Prestige. Deshalb erhoffen sich die sechs letzten Kandidaten der letzte Woche bekanntgegebenen Shortlist des Deutschen Buchpreises 2011 natürlich einen großen Karrieresprung. Von ihrem Talent kann sich jeder selbst […]

    21.09.2011
  2. […] Weitere Informationen zum Deutschen Buchpreis 2011, allen Kandidaten und ihren Werken finden sich im Online-Shop von buecher.de und im buecher.de-Blog. […]

    15.09.2011
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