Die Leipziger Buchmesse: Focus Mittel- und Osteuropa

Die diesjährige Leipziger Buchmesse legt ihren Schwerpunkt auf die mittel- und osteuropäische Literatur. In Fachkreisen ist diese Literatur schon immer hoch angesehen, die Leipziger Buchmesse will nun dafür sorgen, auch bei der breiten Masse das Interesse für viele spannende, innovative und völlig eigenständige Schriftsteller zu wecken. Der Vorhang geht aufNeben zahlreichen Lesungen und Buchvorstellungen von Autoren aus Tschechien, der Slowakei, den Balkanländern, richtet sich der Blick auch besonders auf die serbische Literatur, die im kommenden Jahr im Fokus der Messe stehen wird.

Den Leipziger Buchpreis für Europäische Völkerverständigung erhielt in diesem Jahr der ungarische Historiker György Dalos, der in seinem Buch „Der Vorhang geht auf“ das Ende der 80er Jahre wieder lebendig werden lässt und eine detaillierte Übersicht liefert, wie es zum Zusammenbruch des Ostblocks kam. Er beleuchtet, wie sich die Demokratiebewegung in den verschiedenen Ländern formierte und sich mit unterschiedlichen Strategien gegen die herrschenden Verhältnisse stellte. Dabei wird die Wende in der DDR ebenso beleuchtet, wie die Prager Revolution oder der Aufstand in Rumänien. Dalos gelingt es nicht nur Fakten aufzutürmen, sondern diese mit Leben zu füllen. Denn viele Prozesse setzten sich erst durch Zufälle oder Missverständnisse in Gang und verselbstständigten sich dann immer mehr. So wurde für die DDR-Bürger plötzlich die Flucht über die ungarische Grenze möglich und setzte damit eine (Aus)Reisewelle in Gang, die niemand für möglich gehalten hatte.

Dalos macht Geschichte lebendig, schaut hinter die Fassaden und zeigt vor allem, das die überraschenden Entwicklungen und sich überstürzenden Ereignisse, die zum Untergang des Ostblocks führten, viele verschiedene Ursachen hatten. Selten hat sich ein Buch so spannend und tiefgründig mit diesem Thema auseinandergesetzt.


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