Die Hauptsachen und Die Teemeisterin – Zwei Bücher unter dem Radar

Wir schenken einigen Dingen große Beachtung. Das kann ein erfolgreicher Sportler sein, ein neuer Kinofilm, eine neue CD. Erscheinen diese im Fokus der Gesellschaft, sprechen wir über sie, wir hören und schauen sie uns an. Nicht selten stellen sie andere CDs, Sportler oder Filme in den Schatten, die mindestens genauso viel Betrachtung verdient hätten, die aber, da man sie erst später richtig zu schätzen weiß, zunächst aus dem Blickwinkel verschwinden. Dieses Unheil kann auch bei Büchern passieren, denn gerade, wenn wir uns ein neues gekauft haben und dieses zu lesen beginnen, vergessen wir den wachsamen Blick für andere, nicht weniger lesenswerte Schriftstücke. Zwei dieser Bücher sind mir im Nachhinein besonders in Erinnerung geblieben.

Die Hauptsachen von Martin Amis

Martin Amis zählt ohne Frage zu den ganz Großen der britischen Literatur und dennoch ist seiner Art Lebensbewältigung zu wenig Beachtung geschenkt worden. Mir persönlich erscheinen „Die Hauptsachen“ gar als sein Hauptwerk, denn hier spricht Amis über seine Kindheit, seinen ersten Kontakt mit dem Mysterium der Liebe und den ihm folgenden Verlust. Er spricht über Tod und Verrat, vor allem aber über den Weg eines Schriftstellers, so dass wir als Leser alles über den erfahren, der uns dank seines Schreibens wirklich erkennen lässt, was Erfahrung bedeutet, wenngleich er das durchaus in kritischer und gar satirischer Art und Weise tut.

Die Teemeisterin von Ellis Avery

Als großer Fan des aromatisierten Getränks, in dem heißes Wasser die Hauptrolle spielt, wurde ich während des Lesens auch Fan von Avery, denn ihre Hauptprotagonistin Yukako wird eingeführt in die großen Geheimnisse der Teekunst. Im 19. Jahrhundert entschließt sich die von ihrem Mann betrogene 16-Jährige ihr Leben fortan in die eigenen Hände zu nehmen. Im Japan, in dem die Männer das Sagen haben, ist nur wenig Platz für die Ambitionen einer Frau, doch auf Umwegen entsteht ein abenteuerlicher Aufstieg, der schon bald Beachtung in der Gesellschaft erfährt. Alles, was Yukako will, ist ein bisschen Unabhängigkeit, wofür Avery unterstützend alle stilistischen Mittel einsetzt.


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