Die Finalisten des Deutschen Buchpreises Teil 1

Deutscher Buchpreis 2013In der vergangenen Woche hat sich die siebenköpfige Jury des Deutschen Buchpreises 2013 um die beiden Doktoren Helmut Böttiger und Katrin Lange für eine abschließende Kandidatenliste entschieden. Die noch verbliebenen sechs Finalisten haben sich in den letzten Monaten von insgesamt 195 anderen deutschsprachigen Romanen abgehoben und wurden nun für die Shortlist nominiert. Allein diese Stufe bringt den drei Autoren und drei Autorinnen jeweils 2.500 Euro. Für den Sieger steht neben der Ehrung, die am 07. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers erfolgt, ein Preisgeld von 25.000 Euro auf dem Plan. Bis es soweit ist, stellen wir in den kommenden Wochen diejenigen sechs Werke vor, die sich nun berechtigte Hoffnungen auf die Nachfolge von Vorjahressiegerin Ursula Krechel machen können.

Jirgl - Nichts von Euch auf ErdenReinhard Jirgl – Nichts von Euch auf Erden

Beim Berliner Reinhard Jirgl handelt es sich um den mit Abstand ältesten Kandidaten, der noch im Rennen ist. Der heute 60-Jährige zählte schon auf der Longlist zu der etablierten Garde. Alfred-Döblin-Preis (1993), Lion-Feuchtwanger-Preis (2009) und vor allem der Georg-Büchner-Preis (2010) bilden ein gutes Zeugnis für seinen literarischen Wert. „Nichts von euch auf Erden“ spielt mal wieder mit den Zeiten und verhandelt aktuelle Probleme unserer Menschheit in einer entfernten Zukunft und inmitten entfernter Sphären. Im 23. Jahrhundert bietet die Welt nicht mehr genügend Platz für die Machtbestrebungen vieler Leute. Er beginnt eine Auswanderung zu Mond und Mars. 200 Jahre später jedoch erweisen sich die neuen Heimatplaneten endgültig als ungeeignet, so dass die ehemalige Elite zurück zur Erde reist und dort auf eine friedlich zusammenlebende Menschheit trifft. Jirgl erzählt dieses Aufeinanderprallen verschiedener Gemeinschaften im gewohnt zynischen und dunklen Grundtonus, integriert in die Geschichte Themen wie Überbevölkerung, Emigration, Liebe, Krieg und Frieden.

Poschmann - Die SonnenpositionMarion Poschmann – Die Sonnenposition

Im Gegensatz zu den Phänomenen der Gesellschaft, die Jirgl behandelt, setzt Marion Poschmann auf die Geschichte eines Einzelnen. Die Wahlberlinerin, die 1969 in Essen zur Welt kam, stand bereits 2005 mit ihrem „Schwarzweißroman“ auf der Nominierungsliste für den Deutschen Buchpreis. Ihr zentraler Protagonist ist Altfried Janich, ein Psychiater, der für die Patienten im Ostschloss „Die Sonnenposition“ einnimmt, ihnen Trost und Orientierung spenden möchte. Allerdings wird dem Leser schon auf den ersten Seiten klar, dass auch bei Altfried selbst so einiges im Argen liegt. Zu Beginn stirbt sein bester und zugleich einziger Freund bei einem Autounfall. Im Anschluss daran hinterfragt Altfried vieles, einzelne Erinnerungen und die gesamte Familienhistorie. Der alte Barockbau, in dem er arbeitet und auch wohnt, wird zum Labyrinth vieler Fragen, aus dem sich Altfried selbst kaum noch befreien kann. Dies schafft er nur, wenn er seinem sonderbaren Hobby nachgeht und Erlkönige – neue Automodelle, die nachts von den Herstellern für die Testfahrten auf die Straße geschickt werden – sucht. Dass er darin nicht wirklich erfolgreich ist, bleibt eine der vielen Randnotizen, die dieser Roman hinterlässt.


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  1. […] bildet sie heute dasjenige Zweigestirn, welches wir aus der Shortlist vorstellen wollten. Nachdem im ersten Teil unseres Specials der Fokus auf den Werken von Reinhard Jirgl und Marion Poschmann gerichtet war, blicken wir heute […]

    27.09.2013
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