Die dunkle Seite des Mondes – Unser Filmtipp

Die dunkle Seite des MondesEs gibt keine bekanntere Geschichte über den Konflikt von Gut und Böse innerhalb eines Menschen als Stevensons „Die seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Dass zwei vollkommen verschiedene Persönlichkeiten in nur einem Körper hausen, mag für viele noch immer der Fiktion angehören, doch das Thema dennoch aktueller als es zunächst scheint. Mit „Die dunkle Seite des Mondes“ hat Autor Martin Suter ein Stück geschrieben, das sehr modern und originell thematisiert, wie schnell das Böse in jedem von uns erwachen kann. Regisseur Stephan Rick hat der grandiosen Lektüre eine filmische Bühne geebnet und mit Moritz Bleibtreu genau den richtigen Hauptdarsteller ins Boot geholt.

Die dunkle Seite des Mondes 1„Die dunkle Seite des Mondes“ eröffnen Pilze

Urs Blank (Moritz Bleibtreu) ist wahnsinnig erfolgreich. Er hat eine hübsche Frau (Doris Schretzmayer) an seiner Seite, die perfekt zu seinem mondänen Lebensstil passt und die Karriereleiter ist er bereits in jungen Jahren bis nach ganz oben geklettert. Der Wirtschaftsanwalt hat gerade den nächsten großen Deal eingetütet, als sein Leben eine 180-Grad-Wendung vollzieht. Den Startschuss bildet der Selbstmord eines Geschäftspartners, nach dem Blank nicht mehr gerade in den Spiegel blicken kann und das eigene Leben immens hinterfragt. Auf der Beerdigung wird ihm alles zu viel, er flüchtet in einen nahegelegenen Wald, um mal ordentlich durchzuschnaufen. Als er diesen wieder verlässt, stößt er auf einen Flohmarkt und trifft dort Lucille (Nora von Waldstätten), die ihn samt ihres alternativen Lebensstils sofort magisch anzieht und eine entscheidende Rolle im nachfolgenden Film einnimmt. Blank lässt sich auf eine Affäre ein, in der viele Drogen konsumiert werden. Bei einem sektenähnlichen Treffen verzehrt er trotz vorherigen Bedenken auch halluzinogene Pilze, die „Die dunkle Seite des Mondes“ – sein böses Ich – zum Vorschein bringen.

Die dunkle Seite des Mondes 2Die dunkle Seite des Mondes mit erstklassiger Besetzung – Moritz Bleibtreu

Auf kurz oder lang leidet da die berufliche Laufbahn drunter, was speziell Pius Ott (Jürgen Prochnow) widerstrebt. Der Wirtschaftsmogul hat längst ein Auge auf Blank geworfen und möchte dessen Talent für den maximalen Gewinn nutzen. Er entwickelt sich im Verlauf von „Die dunkle Seite des Mondes“ mehr und mehr zum charismatischen Antagonisten eines Mannes, der ohnehin schon zwei vollkommen entgegengesetzte Persönlichkeiten in sich trägt. Die eingenommenen Pilze sind der Indikator, der das bereits vorhandene Böse herauslässt. Speziell die Szene nach dem Pilzkonsum hat Bleibtreu vieles abverlangt. „Aber gerade diese Grenzerfahrung ist es, die für einen Schauspieler spannend ist, wenn sich die Figur so weit von einem entfernt, dass es eigentlich keinen gemeinsamen Nenner mehr gibt, den man mit der Realität verknüpfen könnte“, sagt er. Dass Blank später zum Mörder wird, erst eine Katze tötet und später auch Menschen, ist für den erfolgreichen Darsteller („Soul Kitchen“) eines der brisanten Kernthemen von „Die dunkle Seite des Mondes“. Bleibtreu: „Diese gewalttätige Seite schlummert in uns allen. Wir alle haben unsere Abgründe, die unter falschen Umständen ganz furchtbare Verhaltensweisen hervorrufen können“. Für ihn stand es zu keinem Zeitpunkt infrage, am Projekt teilzunehmen, auch wenn es im kalten November wochenlang zum Dreh in den Wald ging.

Die dunkle Seite des Mondes 3Autor und Hauptdarsteller zeigen sich von „Die dunkle Seite des Mondes“ begeistert

„Suter lese ich ohnehin einfach gerne, weil er es mit einer tollen Sprache scheinbar mühelos schafft, verquere Innenwelten zu erklären“, so Bleibtreu. Und was denkt der Autor selbst über den Film? „Er gefällt mir gut. Tolles Casting, schöne Bilder und eine gelungene filmische Interpretation meiner Geschichte“, sagt Martin Suter. Vor allem die Besetzung scheint für ihn der Schlüssel zu einer erfolgreichen Adaptierung. Suter: „Es gibt Verfilmungen meiner Romane, in denen ich mich bis zum Schluss nicht an die Besetzung gewisser Figuren gewöhnen konnte. Hier hatte ich schon nach ein paar Minuten die Bilder, die ich von den Figuren im Kopf hatte, vergessen.“


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