Frank Witzel gewinnt den Deutschen Buchpreis 2015

Frank WitzelErst am letzten Donnerstag wurde bekanntgegeben, wer in diesem Jahr den global wichtigsten Literaturpreis überreicht bekommt. Die Schwedische Akademie wird im Dezember die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch für ihre dokumentarisch gefärbten politischen Collagen und somit auch für ihr Lebenswerk ehren. Gestern wurde im Rahmen der Frankfurter Buchmesse auch der bedeutendste deutsche Literaturpreis überreicht. Er geht an Frank Witzel, der mit „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ den besten Roman in deutscher Sprache verfasst hat und sich neben der Ehrung über ein Preisgeld von 25.000 Euro freuen darf.

Frank Witzel schrieb ein Buch voller Inhalt mit vollem Titel

Nicht nur unter den sechs finalen Werken stach „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ aufgrund des Titels heraus. Auch in den Vorstufen, die der Sieger des Deutschen Buchpreis durchlaufen muss, wirkte der Roman von Frank Witzel wie etwas ganz Besonderes. Mit 817 Seiten verfügt das Schriftstück neben dem großen Namen ganz nebenbei über eine ordentliche Portion Inhalt. In dieser wird ein Kapitel deutsche Geschichte thematisiert bzw. die Stimmung der junge Menschen, die während der ausgehenden 1960er zu einem Umdenken animieren wollten. „In diese Geschichte eingewoben ist das politische Erwachen der alten Bundesrepublik, die beginnt, sich  vom Muff der unmittelbaren Nachkriegszeit zu befreien“, hieß es in der gestrigen Laudatio. Erzählt wird der Roman aus der Perspektive eines Teenagers, der wie viele seiner Zeit auch mal das Kiffen versucht, die Stones und die Beatles durch die Boxen laufen lässt und eine gewisse Faszination für die Mitglieder der RAF empfindet, die sich auf der Straße wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern.

Frank Witzels Buch – „Ein hybrides Kompendium aus Pop, Politik und Paranoia“

Frank Witzel ist kein Historiker, jedenfalls keiner im herkömmlichen Sinne. In „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ finden sich keine belegbaren Fakten. Das ist allerdings auch nicht sein Anspruch. Vielmehr schafft er einen stimmungsgewaltigen Epos, der als gelungenes Generationsportrait taugt. Der Erzähler steht beispielhaft für die aufblühende gesellschaftliche Meinung all jener, die sich mitten im Heranwachsen befinden. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der Hervorhebung der Einzigartigkeit dieses Romans. „Mit dem Deutschen Buchpreis wird ein genialisches Sprachkunstwerk ausgezeichnet, das ein großer Steinbruch ist, ein hybrides Kompendium aus Pop, Politik und Paranoia.“ Dem hat der bücher.de-Blog lediglich ein kleines Wort hinzuzufügen – lesenswert.


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