Der Steppenwolf als Leidenstier des 20. Jahrhunderts

Große Autoren zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie mehr als nur ein Werk in die globale Literaturgeschichte einbrachten. Das tat auch Hermann Hesse, sein Wert wird aber zumeist auf ein Werk reduziert. Anders als es bei Goethe oder Shakespeare war, anders als es heute Stieg Larsson oder Henning Mankell tun, schrieb Hesse lediglich sein Lebenswerk „Der Steppenwolf“, welches heute mit ihm in Verbindung gebracht wird. Er hat unter anderem auch „Das Glasperlenspiel“ oder „Demian“ verfasst und dennoch ist es jene Gestalt des Steppenwolfes, die all diejenigen, die nicht hartnäckig in der Biografie Hesses graben, für den Gehalt bezeichnen, den Hesse uns vermacht hat.

Betrachtet man es genau, hat Hesse 1946 wohl hauptsächlich für die Geschichte des Harry Haller den Literatur-Nobelpreis erhalten und betrachtet man diesen Herrn Haller genauer, erkennt man, warum. Die Hauptperson im „Steppenwolf“ verkörpert eine Position, die charakteristisch für viele Seelen der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts steht. Konfrontiert mit einer sich wandelnden, materiellen Gesellschaft und unterschiedlichsten Strömungen kultureller und normengebundener Natur entwickelt er eine ganz besondere Leidensfähigkeit. Zerrissen von der Gesellschaft, die ihn umgibt, versucht Haller, dieser zu entfliehen und findet sich in einer Welt wieder, die durch seine innere Zerrissenheit entstanden und durch zahlreiche Zerrbilder definiert ist.


2 Kommentare zu “Der Steppenwolf als Leidenstier des 20. Jahrhunderts” Eigenen verfassen
  1. Nick P.

    Ich kann mich dem vorangegangen Kommentar nur anschließen. Hermann Hesse ist mehr als nur der Steppenwolf. Der Steppenwolf beschreibt nur eine Phase in Hesses Leben. Man sollte alle seine Werke lesen. Leider habe ich den Steppenwolf auch als erstes Werk des Schriftstellers gelesen. Hätte ich mit seinen früheren Werken begonnen, da wäre mir auch das Lesen des Steppenwolfes leichter gefallen.

    2.04.2014
  2. Ben

    Die Einschätzung teile ich nicht. Viele denken bei Hesse auch zuerst an Siddharta, dann an erst an andere immer noch populäre und gut verkaufte Werke wie Peter Camenzind, Demian, Narziß und Goldmund, Unterm Rad und Das Glasperlenspiel oder eben der Steppenwolf. Den Nobelpreis hat er für sein Gesamtwerk erhalten, nicht nur für einen Roman. Der Steppenwolf wird als eines seiner bekannten Werke gesehen.
    vg,
    Ben

    20.12.2010
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