Der Krimi & der Film: Von Dr. Mabuse bis Hannibal Lector

Der Kriminalfilm entstand beinahe zeitgleich mit der Entstehung des Kinofilms. Hier fanden Regisseure ein dankbares Genre zur Darstellung sozialer Missstände und deren Folgen. Schon auf das Jahr 1912 kann man die Anfänge des Krimis zurückdatieren. Als Mitbegründer benennt man heute David W. Griffith, der mit seinem „Musketeers of the Pig Alley“ das Elend der Straße in Bilder fasste. Davon ausgehend entwickelten sich schnell viele Untergattungen, die wir im weiteren Verlauf näher betrachten wollen.

Der Prototyp des Bösewichts

Abgesehen von Fritz Langs Zweiteiler „Dr. Mabuse“, als ersten Prototypen des Bösewichts 1922, begann die richtige Entwicklung dieses Genres zwischen 1930 und 1940 mit dem Gängsterfilm  – und das in Amerika und Europa. In Deutschland gab es den expressionistischen Stummfilm, der sich der Kriminologie annahm. Amerika bediente sich eher authentischer Polizeiarbeit und entwickelte in der Folge den Polizeifilm. Beide Einflüsse verbinden sich später zum depressiven „Film noir“.  Die Darstellung der amerikanischen Unterschichten-Antihelden in „Public Enemy“ (1931) und „Scarface“ (1932) wirkte anfänglich durchaus sympathisch. Um hier eine zu große Befürwortung der Bevölkerung zu vermeiden, wurden die Rollen instrumentalisiert und stereotyp: Böse war böse und gut war gut.

Depressive Zeiten: Film noir

Der anschließende „Film noir“ war die Folge aus wirtschaftlichem Zusammenbruch, Zweitem Weltkrieg und Antikommunismus. Hier wurde ein gebrochener Detektiv gezeigt, der zynisch sein sonst sehr fehlgeschlagenes Leben lebt und dabei seine einzigen Erfolge in der Aufklärung mysteriöser Fälle findet. Selbst Hitchcocks „Vertigo“ lässt sich in diese Gattung einordnen. „Tote schlafen fest“ von 1946 bildet hier einen Eckpfeiler zur nächsten Station des Kriminalfilms. Ab dann ging der Krimi in Serie und wurde ins Fernsehen verlagert. Die amerikanischen Erfolge „Dragnet“ und „Dezernat M“ waren der Grundstein für deutsche Produktionen wie „Stahlnetz“, „Hafenpolizei“ und „Polizeifunk ruft“.

Die neue Welle

Zu Beginn der 1960er schwappte die Nouvelle Vague aus Frankreich nach Amerika, die sich der alten Ganoven bediente und diese glorifizierte. Ein alter Charme wurde wieder entdeckt und bis auf die Spitze stilisiert. Arthur Penns Welterfolg „Bonnie & Clyde“ von 1967 romantisierte das Verbrechen bis zur Unkenntlichkeit. Gleichwohl wurden aber die Gewaltdarstellungen in einem nie gesehenen Ausmaß gezeigt. Die Renaissance des Gangster-Films erlebte mit Francis Ford Coppolas „Der Pate“-Trilogie und Martin Scorseses „Hexenkessel“ und „GoodFellas“ seinen Höhepunkt. Doch noch bis heute wird dieses Genre bearbeitet wie der 2006 erschienene Film „Departed“ beweist.

Machos auf der Suche nach Gerechtigkeit

Ab 1970 eroberte ein neuer Archetyp des Cop-Films die Leinwand: Ein Macho im Auftrag der Polizei, der sich aber über alle Befugnisse hinwegsetzte, wenn er es für nötig hielt. Clint Eastwood als „Dirty Harry“ (1971) war das unbestritten ultimative Zeichen des gesellschaftlichen Wandels unter Ronald Reagan. Die rohe Westernfantasie verband sich hier mit der grausamen Großstadt der Neuzeit. Die politische Situation war demnach beständig verantwortlich für die Wahrnehmung von Strafe, Gerechtigkeit und Durchsetzung dieser. Auch verarbeiteten Regisseure Warnungen ein, um ihren Einstellung zur Situation zum Ausdruck zu bringen. „Die Drei Tage des Condors“ (1973) gilt als „Paranoia-Thriller“ mit der Absicht, vor einem totalitären Staat zu schützen. Der Thriller ist bis heute ein überaus beliebtes Genre, das viele Blockbuster zur Folge hatte. „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) oder „Sieben“ (1995) spielte und förderte die Lust auf Angst eines breiten Publikums und erhoben sie bis heute zum Kult.

Weitere Teilbereiche

Auch entstanden Gerichtsfilme, die zumeist zwei Filmebenen inne hatten, wovon eine den Zuschauer zum Mörder führte. Bis heute halten sich gleichermaßen Pathologiekrimis, die über die Untersuchung der Leiche zum Täter finden. Ein Großteil des momentanen Abendprogramms macht dieses Genre heute aus und findet in Serienform statt. Seit James Bond gibt es ebenso ein breites Publikum, das Spionage- und Agentenkrimis liebt. Diese zielen aber mittlerweile eher auf Action als auf intelligente Spannungsmomente ab und erreichen damit eine breitere Zuschauerschaft.

Nervenkitzel macht lebendig

Der Krimi ist nicht mehr wegzudenken aus den Unterhaltungsmedien und wird so lange ausgestrahlt, wie es auch Komödien oder Dramen geben wird. Er bekleidet die Emotionen des Schreckens, der Angst und der Paranoia. Wieso Menschen das mögen, kann durchaus mit der Gegenfrage beantwortet werden, die nach dem Sinn von Bungee-Jumping fragt. Nervenkitzel macht lebendig.


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