Der Anti-Diät-Tag – die Koalition zur Jojo-Partei

Ein Durchatmen geht durch die Welt, das den Bauch befreiend senkt und die Haltung lockert: Am 06. Mai  erlöst sich die Welt für einen Moment von der zwanghaften Vorstellung, dünn sein zu müssen. Zum alljährlichen Anti-Diät-Tag bejubeln wir unsere Problemzonen und preisen die wunderbare Einzigartigkeit unserer Körper! Ein eintägiger Urlaub für unser schuldhaftes Selbstbewusstsein, das vielleicht mit der Zeit erkennt, dass es nur im Frieden mit sich selbst zur vollen Schönheit gereift.

„Bauch rein, Brust raus!“

Das Thermometer misst 34 Grad Celsius. Das Gras auf dem Mittelstreifen der vierspurigen Hauptstraße ist gelb und verdorrt. Der Schuh versinkt gefühlte zwei Zentimeter im weicher werdenden Teer und Häuserwände flackern in der aufgeheizten Sommerluft. Die Stadt ist ein Löwe im Savannenschatten. – Bis auf die schmalen Laufbahnen der örtlichen Parks, auf denen sich schwitzende, doch von der Anstrengung lächelnde Jogger in einer langen Kette um die grüne Insel schieben. Das hat die Welt aus uns gemacht: Kalorien zählende, nach 18 Uhr nichts essende, ewig Bauch einziehende Sklaven der Selbstbeherrschung. Der Wunsch nach Fitness wird zwar priorisiert benannt, doch die innere Stimme, die man Ego nennt, ist ein gewiefter Blender. Der Ästhetikanspruch der Konsumgesellschaft hat uns dekadenlang manipulierend zugeflüstert: „Bauch rein, Brust raus!“ Dass die natürliche, gesunde Atmung genau umgekehrt funktioniert, haben wir längst schon verlernt.

Die Koalition zur Jo-Jo-Partei

Mary Evans Young und ihre Freundinnen hatten es satt. Während der Diät-Lawine der 90er Jahre riefen sie den „International No Diet Day“ ins Leben und bildeten damit eine erste Koalition zur Jo-Jo-Partei. Seitdem leisten sie Aufklärung über die teure, ungesunde und nicht funktionierende Diät-Lehre, die immer nur über die Dauer der Anwendung sichtbare Erfolge erzielt. Es sollte selbstverständlich sein, dass eine einseitige, reduzierte Ernährung immer Mangelerscheinungen zur Folge hat und den Körper schwächt. Die Diät ist der Faustische Pakt der Gewichtsreduzierung.

Prominente Unterstützung

Leise vernimmt man erste Stimmen aus der Prominenten-Welt, die im Angesicht einer längeren Karriere und dem Druck der Medien die Reißleine gezogen haben. Jessica Simpson und Oprah Winfrey sind bekennende Anhänger der Initiative und tragen mit ihrer natürlichen Weiblichkeit zum neuen Frauenbild bei. Die „Brigitte“ und ebenso eine Kosmetikreihe werben ganz bewusst ohne Size-Zero-Models für ein neues altes Selbstverständnis. Auch das Lifestyle-Forum „Wunderweib“ engagiert sich für den „Anti-Diät-Tag“ und informiert seine vielen Leser über die fatalen Fehler des Hauruck-Abnehmens.

buecher.de sagt „Ja!“

Auch wir schnallen den „Bauch-weg-Gürtel“ ab und rufen „Ja!“ zur überfälligen Akzeptanz der eigenen Rundungen und verweisen all zu gern auf die Botschafterin der Rubinsfigur, Sabine Asgodom, die in „Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot eine Lanze bricht für lustvolles Essen. Wahlweise erfahren wir aber auch von Sven Flohr in „Diät – Nein Danke“ alles zum Unsinn eines Trends, der aus der Mode kommen sollte. Passender als Joe E. Lewis kann es niemand auf den Punkt bringen, wenn er meint: „Ich habe eine Diät gemacht und fettem Essen und Alkohol abgeschworen. In zwei Wochen verlor ich 14 Tage.

Guten Appetit!


2 Kommentare zu “Der Anti-Diät-Tag – die Koalition zur Jojo-Partei” Eigenen verfassen
  1. Daniel der MetaChecker

    Habe vom Anti-Diät-Tag im Radio gehört. Eine tolle Sache, was nicht heißen soll, dass wir uns ungesund ernähren sollten. Aber ein bisschen Schlemmern gehört zum Leben dazu…(WDR Fernsehbeitrag wie das auch beim Abnehmen geht anbei) Der Titel „Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot“ hat mich gepackt – Danke für den Tip!
    Daniel

    25.05.2012
  2. Tina

    „…bejubeln wir unsere Problemzonen und preisen die wunderbare Einzigartigkeit unserer Körper!“ – Jaaaaaaaaa :-)
    Jetzt werde ich dieses Buch auf jeden Fall lesen. Und allerspätestens danach wird endlich wieder natürlich & gesund geatmet. Ich sage: Danke!

    4.05.2012
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