Der Alexanderroman als historisches Zeugnis

Reclam liefert viele tolle Sachen, tut das zumeist preiswert und im Regelfall mit einem Hintergrundwissen, von dem nun wirklich jeder Leser profitieren kann. Jeder von uns musste in seiner Schulzeit das ein oder andere historische Werk lesen. Ob man nun ein Deutsch-Leistungskursler war oder nicht, jeder traf im Lauf der Zeit auf Goethe oder Schiller. Da man sich ja nicht gleich ein gigantisches Sammelwerk leisten wollte, griff man mit bestem Gewissen zu einem kleinen gelben Heft, in dem nicht nur der Primärtext zu finden war, sondern dieser auch durch wissenschaftliche Erkenntnisse in Vor- und Nachwort ergänzt wurde.

Meine Schulzeit ist vorbei und dennoch greife ich selbst jetzt noch zu Reclam. Letztens kam ich auf den „Alexanderroman“ vom Pfaffen Lamprecht, ein mittelalterliches Stück über die heroische Figur Alexander der Große. Natürlich war dieses Exemplar nicht gelb, sondern orange, so wie alle zweisprachigen Varianten bei Reclam. Neben der neuhochdeutschen Übersetzung findet sich im Werk nämlich auch der mittelhochdeutsche Text, das Original also. Dazu kommen ein erklärendes Vorwort zur Editionsgeschichte sowie eine ausführliche Analyse der einzelnen Verse und Charaktere im Schlussteil. Die Geschichte an sich liefert eine tolle Zusammenfassung des wohl größten Feldherren der Geschichte, von seiner Geburt über die Gründung Alexandrias bis hin zur Eroberung des persischen und indischen Reiches, wenngleich Lamprechts Erzählung nicht immer hundertprozentig den historischen Gegebenheiten folgt. Das ist dann letztlich der Fehler an Geschichtsschreibung, sie ist stets subjektiv.


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