Das sind sie – Die letzten Aufzeichnungen von Erich Honecker

Irgendwie schienen die letzten Jahre, als gehöre es mittlerweile zur Pflichtaufgabe eines jeden Politikers, auch mal ein literarisches Werk zu veröffentlichen. Von zu Guttenberg bis Steinmeier haben sich viele versucht, wenige von ihnen sind gut angekommen. Einige, man nehme das Beispiel Sarrazin, haben für reichlich Aufruhr gesorgt. Richtig große Aufruhr bot auch das Jahr 1989, in dem sich demografisch gesehen nicht nur in Deutschland ordentlich etwas veränderte. Das jahrelange Nebeneinander der unterschiedlichen Ideologien hatte ein Ende und auch wenn man noch heute von Ost- und Westdeutschen spricht, sind wir politisch gesehen zur Einheit verschmolzen. Erich Honecker gilt als eine der Identifikationsfiguren der DDR, in „Letzte Aufzeichnungen“ hat er uns seine Ansichten vermacht.

Man kann über seine Ansichten richten, man kann zweifeln an ihrem Gehalt, doch genau genommen ist das Werk gar kein politisches Manifest. Es sind mehr die Tagebuchaufzeichnungen eines Mannes an seine „Margot“. Honecker war zu Beginn der 90er-Jahre in Berlin-Moabit inhaftiert ehe er nach Chile ausreiste und sein knapp 400 Seiten-Manuskript mit sich nahm. In diesem findet sich die Reflexion dessen, was passiert ist. Die aktuellen Erfahrungen aus dem Gefängnis beispielsweise, sein ganz persönliches Befinden nach dem Zusammenbruch der von ihm so präferierten Ideologie, seine Gespräche und auch seine ganz persönlichen Eindrücke. Resultierend daraus hat er uns ein Werk hinterlassen, das alles andere als eine kühle Betrachtung darstellt. Es ist eine emotionale Beschreibung, die man Erich Honecker nicht immer zugetraut hätte.


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