Das Krokodil von Maurizio de Giovanni – Unser Buchtipp:

Im ausgehenden Winter, wenn die ersten wärmeren Sonnenstrahlen den Frühling erahnen lassen, möchte man das Rad etwas vordrehen und schnappt sich einen Krimi aus Italien, in der Hoffnung, etwas mehr Sonne abzukriegen. Doch mit Maurizio de Giovannis „Das Krokodil“ wird es einem nicht wärmer: sein Ispettore Lojacono ermittelt in einem Neapel, in dem sich die Menschen nicht für ihre Mitmenschen interessieren, um ja nicht etwas zu sehen, das sie besser nicht gesehen hätten. Die Camorra lässt grüßen.

Und genau dieses Wesen der Stadt macht sich der Mörder, genannt das Krokodil, zunutze, um die Gewohnheiten und Lebensumstände seiner Opfer aus nächster Nähe und minutiös auszukundschaften, ohne von diesen bemerkt zu werden.

Das Krokodil von Maurizio de Giovanni – Inhalt:

Das Krokodil - Maurizio de Giovanni

Das Krokodil – Maurizio de Giovanni

Lojacono, strafversetzt aus Sizilien wegen angeblichen Geheimnisverrats an die Mafia, und zum Nichtstun in einem kleinen Polizeirevier verdammt, hat zufällig Nachtdienst, als das Krokodil zum ersten Mal zuschlägt – ausgerechnet in seinem Revier. Das erste Opfer: ein Jugendlicher, gerade als Kleindealer von der Camorra angeworben. Lojacono ist der Erste am Tatort und gibt auch pflichtschuldigst ab, als sein Chef und die Staatsanwaltschaft eintreffen. Nicht jedoch, ohne eine wichtige Entdeckung weiterzugeben, die sonst sehr wahrscheinlich übersehen worden wäre.

Während der Polizeiapparat nach der Ermordung einer Schülerin kurz darauf mit derselben Waffe schnell in Aktionismus ausbricht, jedoch nur in Richtung Camorra ermittelt, macht sich Lojacono seine eigenen Gedanken. An dem Tatmuster deutet für ihn nichts auf einen Abschreckungsakt des organisierten Verbrechens hin: „Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, dass die eigentlichen Opfer nicht die Kinder, sondern die Eltern sein könnten?“ Es kommt wie es kommen muss, die junge Staatsanwältin erkennt, dass da was dran sein könnte und holt Lojacono in die Ermittlungen.

Lojacono soll mit seiner Vermutung nicht Unrecht behalten, mit der toughen Staatsanwältin schafft er es, die Spur zum letzten Opfer vorauszudenken – ob sie rechtzeitig eintreffen, um wenigstens den letzten Mord zu verhindern?

Das Krokodil von Maurizio de Giovanni – Fazit:

Maurizio de Giovannis Krimi „Das Krokodil“ nimmt einen mit seinen Personen gefangen. Natürlich gefällt es dem Leser, wenn der Underdog Lojacono den gestandenen Kommissaren den Weg weist, ansonsten aber ein ziemlich gebrochener Charakter ist. Dass die junge Staatsanwältin unter der harten Schale etwas verbirgt, wird auch schnell klar. Der Leser darf sogar am Innenleben des Mörders teilhaben, der immer wieder einen Brief an „Liebling, mein Liebling“ schreibt. Ein Psychopath, verborgen in der Öffentlichkeit der Stadt.

Alles in allem kein Bella-Italia-Krimi à la Brunetti mit schöner Kulisse, schrulligen Personen und einem belanglosen Fall und damit denkbar ungünstig für Sommerschwelgereien. „Also eins muss man der Stadt lassen: Selbst in den hinterletzten Kaschemmen kriegt man einen guten Kaffee.“ Dies dürfte schon der touristischste Satz im ganzen Roman sein.

Wer jedoch einen guten Krimi mit echten Charakteren sucht, hat mit Maurizio de Giovannis „Das Krokodil sicher das Richtige gefunden. Hoffentlich der Beginn einer spannenden Reihe.


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