Dan Brown Spezial: Die Freimaurer, „Eine uralte Bruderschaft“?

Von Henrik Eberle (mit Genehmigung der Verlagsgruppe Lübbe)

 

Alles scheint auf das Thema Freimaurerei hinauszulaufen. Worauf aber gründet sich ihr bis heute andauernder Mythos? Die Freimaurer glaubten an ein uraltes Wissen, das Gott an seinen ersten Menschen – Adam – und dieser an Eingeweihte weitergab. Adam war, so behaupteten es Freimaurer im 18. Jahrhundert, der erste Logenmeister. Und auch nach ihm soll es Wissende gegeben haben, Noahs Sohn zum Beispiel. Ohne ihn wäre das Wissen des Großen Allgemeinen Baumeisters aller Welten, ein Stück vom Wissen Gottes also, in der Sintflut buchstäblich untergegangen.

 

Wie das Wissen später dennoch verloren ging, verrät die Legende von Hiram Abif, dem Hofarchitekten des Königs Salomo. Ihr zufolge ist ein Streit beim Bau des Tempels in Jerusalem (ungefähr zu datieren auf 988 v. Chr.) die Ursache allen Übels. Drei Gesellen verlangten von Hiram, vorzeitig den Grad eines Meisters zu erhalten. Doch Hiram verschwieg ihnen das Meisterwort und die heiligen Erkennungszeichen, weshalb ihn die Gesellen töteten und an einem abgelegenen Ort vergruben. Salomo ließ die Leiche suchen und in der Loge (der Bauhütte) am Tempel bestatten. Dann rächte er den Baumeister und setzte selbst den Schlussstein seines Baus. Seither suchen die Maurer nach dem „Meisterwort“, für dessen Geheimhaltung sich ihr Meister aufopferte.

 

Aufgekommen ist die Erzählung in England – vor allem bei den oft freiberuflich tätigen Baumeistern der großen Kathedralen. Sie verbreitete sich als Mysterium und als politisch aufgeladene Story, denn man lebte in unruhigen Zeiten. Die Legende wurde umgeformt, geknetet und gedeutet. Und sie wirkte konstituierend auf eine Bewegung, die schließlich im 18. Jahrhundert feste Formen und Rituale annahm: die freien Maurer, die Freimaurer. Die meisten von ihnen sehen sich als suchende Schüler, andere aber als wissende Erben des Meisters.

 

Mit den Kolonisten erreichte diese Bewegung Nordamerika. Und schon am 31. Mai 1801 wurde dem Alten und Angenommenen Schottischen Ritus der Freimaurer die Eigenständigkeit zugesprochen, inklusive einer eigenen Gerichtsbarkeit und einer autonomen Führung durch einen Souveränen Großkommandeur. Als besonderer Mann auf diesem Posten sollte sich Jahre später Albert Pike (1809–1891) erweisen – eine überaus dubiose Figur von erstaunlicher Belesenheit und überragenden organisatorischen Fähigkeiten.

 

Welche Rolle hat Dan Brown ihm in seinem neuen Thriller zugedacht?


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