Dan Brown Special: Das „Verlorene Symbol“: Eine Theorie

Von Henrik Eberle (mit Genehmigung der Verlagsgruppe Lübbe)


Zumindest in der westlichen Welt sind die politischen Ideale der historischen Freimauer inzwischen akzeptiert: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Im 19. Jahrhundert war die Stimmung eine andere. Die katholische Kirche erklärte die Freimaurerei zur Gefahr, zur „permanenten Personifizierung der Revolution“ – so jedenfalls formulierte es Leo XIII. in der Enzyklika Humanum genus 1884. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht, forderte doch Albert Pike, der amerikanische Großkommandeur, von den hohen Graden seines Ritus, dass sie gewillt sind, zu zerstören, „aber nicht rücksichtslos“. Denn die neue Weltordnung müsse aus den Trümmern der alten erbaut werden. Er schwor die Kandidaten auf politische Ziele ein, die „es in den Staub zu treten“ galt: „Die Kronen der Könige und die Tiara der Päpste.“


Sollte der Harvard-Professor Robert Langdon den Spuren Albert Pikes folgen, hat Dan Brown eine hochinteressante Persönlichkeit ins Zentrum seines neuen Romans gestellt. Pike war nicht nur Souveräner Großkommandeur des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus der Freimaurerei, sondern auch General der Südstaatenarmee und (angeblich) ein Gründer des Klu-Klux-Klan. Sein Buch Moral und Dogma (1872) prägte die Geistesgeschichte der USA maßgeblich. Eine umstrittenere Figur als einen solchen Ideologen hätte Dan Brown sich nicht aussuchen können.



Doch zurück zum Titel des Thrillers: Das verlorene Symbol. Dan Brown hat in den vergangenen Wochen eine Reihe von Fährten gelegt, die neugierig machen. Fest steht, so scheint es, es geht um die Freimauer und die Hauptstadt der USA, Washington, D. C. Der Hinweis auf den verschwundenen Grundstein des Capitols ist wahrscheinlich eine falsche Fährte. Denn die Symbolik des Parlamentsgebäudes ist wohl nicht stark genug, um über mehrere Hundert Seiten zu faszinieren. Albert Pike hingegen, über den die heutigen Freimaurer nur hinter vorgehaltener Hand sprechen, liefert Material für Verschwörungstheorien aller Art.


Den Schlüssel zum „Verlorenen Symbol“ liefert vermutlich die Symbolik der Freimaurer selbst. Denn die Freimaurer – ganz gleich, welchem Ritus sie angehören – kennen bei ihrem Weg der „Erleuchtung“ große und kleine Symbole: die großen und kleinen Lichter. Die Symbole Zirkel und Winkelmaß sind zwei der großen Lichter. Der Zirkel steht für Liebe und Menschlichkeit, verankert im Herzen des Freimaurers. Das Winkelmaß, das stets vom Stuhlmeister getragen wird, ist das Zeichen für Gewissenhaftigkeit, das Gewissen überhaupt. Übertragen steht es für die Gerechtigkeit.


Ein Symbol aber fehlt in allen Hinweisen, die Dan Brown zum Inhalt seines Buches ausgestreut hat. Das ist plausibel, denn zu viel möchten Dan Brown und sein amerikanischer Verlag sicher nicht verraten.



Doch das Rätsel ist unschwer zu lösen. Es fehlt der Verweis auf das dritte große Licht, die Bibel. Sie liegt bei jeder Ritualhandlung der Freimaurer auf dem Tisch des Meisters, dem „Altar“ der Loge. Daher ist sehr wahrscheinlich, dass Dan Browns Verlorenes Symbol wieder einmal um die Geheimnisse der Bibel kreist. Vielleicht ist es sogar eine ganz konkrete Bibel: die der St Johns Lodge Nr. 1 in New York. Auf sie schwor nicht nur George Washington seinen Eid als Präsident. Auch Abraham Lincoln und George Bush legten ihren Eid auf diese Bibel ab. Ist sie verschwunden? Ist sie das verlorene Nationalsymbol? Oder steht in dieser Bibel etwas, das heute nicht mehr in den Einheitsübersetzungen zu finden ist?



Am 15. September wissen wir mehr …


Leider gibt es noch keine Kommentare Schreib den ersten!
Kommentar schreiben

Folge buecher.de bei Twitter