„Chant“ im Interview bei buecher.de

Chant – ist Musik, die mit noch nie da gewesenem Charme die Welt verzaubert und dazu auch noch die Charts stürmt. Im Exklusiv-Interview mit buecher.de beantwortet Frater Dr. Justinus C. Pech OCist.  Fragen zum Erfolgsalbum „Chant Music for Paradise“ und das Leben hinter den Klostermauern von Stift Heiligenkreuz:
[Bild: Frater Dr. Justinus C. Pech OCist. (l.) und Dr. Gerd Robertz, Geschäftsführer buecher.de (r.) ]

 

1.) Was versteht man im allgemeinen unter einem Gregorianischen Choral?

Der Gregorianische Choral (englisch: Gregorian Chant) ist eine uralte und bewährte Form des gesungenen Gebetes. Er hat seine Wurzeln eigentlich schon in der Zeit vor Christus, nämlich im Gesang der jüdischen Tempelliturgie. Die Christen haben viele Melodien von dort übernommen. So richtig entwickelt hat sich der Choral im 7. und 8. Jahrhundert, als er im Westen von Rom übernommen worden ist. Der Name „Gregorianischer Choral“ geht auf Papst Gregor den Großen (+ 604) zurück, der den Kirchengesang in Rom reformierte, indem er eine Singschule, eine „Schola cantorum“ gründete.


Der Gregorianische Choral ist einstimmig. Er kennt 8 verschiedene Tonarten. Die Noten sehen ganz anders aus als die heutigen Noten, außerdem gibt es nur 4 Notenzeilen.

Die Texte, die gesungen werden sind häufig Worte aus der Bibel, also Wort Gottes. Die Mönche singen also jene Worte an Gott zurück, die er selbst in der Bibel uns gegeben hat… Schon auf diese Weise verbinden sich Himmel und Erde. Die meisten Texte sind den alttestamentlichen Psalmen entnommen. Die Melodien sind einfach und lassen gleichsam Stimmungen entstehen. Der Gregoriansche Choral ist deswegen nicht einfach „Musik“, sondern „gesungenes Gebet“. Der gregorianische Choral ist „der“ Gesang der westlichen römisch-katholischen Kirche.

Und wir im Stift Heiligenkreuz sind sehr glücklich, dass wir in einer so wertvollen Tradition stehen und ganz eins sind mit den Anliegen des Papstes.


2.) Warum erfährt die gregorianische Chormusik derzeit eine große Popularität?


Der Gregorianische Choral ist für uns Gebet. Die Melodien beruhigen nicht nur, sondern geben einem auch Kraft. Es ist, wie wenn man eine geistige Grenze überschreitet und den Alltag dieser Welt hinter sich lassen kann. Der Gregorianische Choral öffnet das Herz für Gott und die geistige Dimension und ist auch ganz wesentlich eine emotionale Angelegenheit: Er ist Freude und Sorge, Lob und Trauer, Jubel und Dank. Ich denke, dass dies die Menschen spüren.


3.) Welche Werke beinhalten die Aufnahmen?


Auf der ersten CD kann man unter anderen die Komplett hören. Dies ist das Schlussgebet der Mönche am Ende eines jeden Tages und die Gesänge, die bei einem Requiem, also am Ende des Lebens gesungen werden. Auf der zweiten CD finden sich die Gesänge zum Vierten Advent und zur Hl. Messe zu Weihnachten.


4.) Wir wird die Tradition der gregorianischen Chormusik in Heiligenkreuz gelebt?

Gegründet wurde das Stift Heiligenkreuz 1133 vom heiligen Markgrafen Leopold III. auf Anraten seines Sohnes Otto. Leopold hatte seinen Sohn Otto nach Paris zum Studium geschickt, auf der Rückreise war dieser selbst in das Zisterzienserkloster Morimond eingetreten und wurde dort Mönch. Seit diesen Tagen wird dieses Gebet in Heiligenkreuz verrichtet, woran auch weder die Türkenangriffe auf Wien im 17. Jahrhundert noch die Naziherrschaft im 20. Jahrhundert etwas ändern konnte.


5.) Worin besteht der Tagesablauf eines Mönches?



Als Mönche des Stiftes Heiligenkreuz ist unser erstrangiges Tun das Gebet. Unser Gebet ist kein privates Gebet, sondern es ist gleichsam öffentlicher Lobpreis Gottes. Es ist, wie Papst Benedikt XVI. am 9. Sept. 2007 bei seinem Besuch in Heiligenkreuz gesagt hat, „ein zweckfreies Gebet“. Das heißt wir beten nicht um Gesundheit, Erfolg oder sonst etwas… Sondern wir loben Gott einfach deshalb, weil er gut ist. Wir tun dies stellvertretend für alle Menschen, besonders auch für die Menschen, die auf den letzten großen Horizont ihres Lebens vergessen. Wir Mönche beten für die Kirche und für die ganze Welt, das ist unser Dienst, unser Officium.

Nach der Regel des heiligen Benedikt, muss der Mönch auch arbeiten: „Ora et labora, bete und arbeite!“ Unsere Aufgaben sind sehr sehr vielfältig. Da sind einmal die ca. 20 Pfarren, in denen wir über 30.000 Menschen in der Seelsorge betreuen. Wir sind in der Jugendseelsorge tätig, aber auch in der Wissenschaft: Seit 1802 gibt es in Heiligenkreuz eine Hochschule. Diese wurde 2007 von Papst Benedikt XVI. zur „Päpstlichen Hochschule“ erhoben, denn hier werden ca. 180 Studenten akademisch ausgebildet. Viele Mönche lehren als Professoren, die jungen Mönche müssen noch studieren und sind damit sehr beschäftigt. Es gibt Mönche, die für die Wirtschaft zuständig sind; Mönche, die sich um die Aufnahme der vielen Klostergäste kümmern… Und dann gibt es einige ganz besonders interessante Arbeitsbereiche: Ein Mönch etwa ist Künstler und als Bildhauer und Maler tätig…


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  1. david meijer

    tolle sache. Gottes segen und weiterhin viel erfolg

    30.01.2009
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