Buchtipp: Zug um Zug von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück

Schachspielen ist eine wirklich interessante Sache. Sie erfordert Kalkül, Nachdenken und in dem Sinne Intelligenz, dass man sich in seinen Gegner hineinversetzen kann. Schach ist ein Geduldsspiel, das keine unüberlegten Züge verlangt, sondern ein Spielen mit Taktik, gelegentlich gespickt mit etwas Risiko. Jeder Zug kann schwere Folgen haben. Der Gegner wartet nur darauf, dass man einen Fehler macht. Es ist ganz ähnlich der Politik, in der es auch um Geduld und um folgenschwere Entscheidungen geht. So erscheint die Tatsache, dass Helmut Schmidt und Peer Steinbrück, zwei Sozialdemokraten unterschiedlicher Epochen, sich gelegentlich zum Schachspielen treffen, nicht einmal paradox. Beide verstehen sich gut, haben gleiche Interessen und sprechen im heutigen Buchtipp über die Probleme der gegenwärtigen Politik.

Schmidt und Steinbrück gelten als Politiker, die Probleme offen ansprechen. Trotz des Altersunterschiedes von 30 Jahren diskutieren beide gemeinsam und offen über aktuelle politische Themen und Probleme, wie die europäische Finanzkrise oder mögliche Folgen des Kapitalismus. Die gegenseitige Sympathie reicht sogar so, dass der Altkanzler in Steinbrück seinen persönlichen Wunschkanzlerkandidaten sieht.
Auf den 320 Seiten von „Zug um Zug“ geht es dem Altkanzler Schmidt und dem ehemaligen Finanzminister Steinbrück nicht darum, gegen die derzeitige politische Spitze zu polemisieren. Sie unterhalten sich vielmehr über aktuelle Probleme, die sich auch in der SPD selbst widerspiegeln. Natürlich spielt das gemeinsame Verständnis dabei eine Rolle, wenngleich die beiden Schachspieler auch bei kontroversen Ansichten stets den Respekt zueinander wahren. Es geht schließlich nicht darum, den Gegner schachmatt zu setzen, sondern Ideen zu entwickeln, wie die Kluft zwischen Regierenden und Regierten auch in Zukunft nicht noch weiter wächst. Um dies zu verhindern werden sich Schmidt und Steinbrück noch weiter austauschen, womöglich wird dabei auch der ein oder andere Bauer geopfert werden.


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