Buchtipp: Khaled Hosseini – Traumsammler

Hosseini - TraumsammlerIst es heutzutage nicht Gang und Gebe, dass wir uns den luxuriösen Dingen des 21. Jahrhunderts nicht nun hingeben, sondern sie in unserer westlichen Denkweise auch als vollkommen gewöhnlich ansehen? Wer kann heute noch zwischen Lebensnotwendigem und all dem, was darüber anzusiedeln ist, unterscheiden? Wirft man einen Blick auf den Schriftsteller Khaled Hosseini, den Autor der Millionenbestseller „Drachenläufer“ und „Tausend strahlende Sonnen“, findet man jemanden, der sich des Unterschiedes bewusst ist und dem es gelingt, genau diese Thematik mit Worten zu problematisieren. Nach langen Jahren, in denen wir vergebens auf ein neues Produkt seiner einfühlsamen Virtuosität warten mussten, ziert sein neuer Roman „Traumsammler“ nun schon wieder die Bestsellerlisten.

Getrennte Geschwister

Ein zentrales Merkmal der Werke Hosseinis ist die innige Verbindung zwischen zwei Personen. Bisher ging es dabei um die Freundschaft zwischen zwei Jungen aus unterschiedlichen Schichten sowie die Verbindung zweier Frauen über Jahrzehnte hinweg. In „Traumsammler“ erleben wir eine sonderbare Familiengeschichte, in welcher das Hauptaugenmerk auf die Geschwister Abdullah und Pari gerichtet wird. Sie leben in einem afghanischen Bergdorf, was beim Leser sofort den Schrecken an das Treiben der Taliban evoziert. Nachdem ihre Mutter stirbt und der Vater eine neue Frau heiratet, mit dieser neue Kinder in die Familie gelangen, wird die Armut immer größer. Man entschließt sich dazu, Pari in vermögende Obhut zu geben und ihr somit ein schöneres Leben in Aussicht zu stellen.

Man sollte das Grauen niemals vergessen

Verbringt sie ihr Leben kurzzeitig noch in Kabul, zieht es sie später nach Paris – ein Weg, den Hosseini in jungen Jahren über Umwege ebenfalls absolvierte. In der Ferne verliert Pari die Erinnerungen an ihre Familie, was auch damit zusammenhängt, dass diese ihr nur bis zum vierten Lebensjahr erhalten war. Trotz allem Luxus in der westlichen Himmelsphäre aber rumort in ihr das Gefühl, etwas würde in ihrem Leben fehlen. Das trifft auch auf die anderen Charaktere des Werkes zu. Zwar geht Hosseini zunächst linear vor, im Verlauf aber treten immer mehr Personen in Erscheinung und avancieren zum Perspektivträger. Zu ihnen gehören Abdullahs Stiefmutter Parwana, deren Zwillingsschwester bei einem „Unfall“ zum Pflegefall wurde, und Paris Adoptivmutter Nila, die ihren schwer kranken Ehemann in Kabul zurückließ, um mit Pari nach Frankreich zu gehen. Auch Marko, ein griechischer Arzt, der in Kabul kriegsverletzten Kindern helfen möchte, wird in den Fokus gerückt. Dabei eint sie alle die Suche nach einem von Glück erfüllten Leben und den Umgang mit all dem Übel, das die Welt bereithält. Hosseini bleibt sich dabei stets treu und verliert zu keiner Zeit seinen bewegenden Erzählstrang aus dem Blick.


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