Buchtipp: Tommy Jaud – Überman

Tommy Jaud -ÜbermanIn den früheren Jahrhunderten entschieden wahrlich andere Komponenten über den erfolgreichen Vertrieb von Schriftstücken. Gemessen wurde der Wert eines Buches damals an seiner tragenden Rolle für den wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs und seinen innovativen Ideen, die auch für die Menschen der Zukunft Wissen bereithalten sollten. Frühe Genies wie ein Dante waren ihrer Zeit in jedem Fall voraus. Mehr und mehr hat sich dann das Interesse vom philosophisch-wissenschaftlich Bedeutsamen hin zur Unterhaltungslektüre gewandelt, wodurch Autoren wie Shakespeare, Goethe und Schiller auf den Plan traten. Heute, im 21. Jahrhundert, hat sich das Interesse an derartiger Literatur gar noch verstärkt. So handelt es sich heute bei den meisten Bestsellern um Thriller, Liebesromane und Komödien. Die Menschen wollen etwas lesen, was ihnen alltäglich erscheint. So war es auch vor der Veröffentlichung von Tommy Jauds neuem Roman „Überman bereits klar, dass der Comedian damit einmal mehr ein erfolgreiches Glanzstück der Gesellschaft zur Verfügung stellt.

Simon Peters geht in die dritte Runde

Ebenfalls ein Phänomen der Neuzeit ist die zunehmende Konzentration auf einen Hauptakteur. Was Sir Arthur Conan Doyle bereits mit Mister Holmes versucht hat, findet sich heute in vielen Reihen der unterschiedlichsten Genres. Dies führt zu einer verstärkten Identifikation der Leser mit einem Protagonisten. Simon Peters haben Fans von Jaud einst in „Vollidiot“ kennen und lieben gelernt. Während dieser da noch ein wenig tollpatschig durchs Leben wandelte, bewies er im Folgewerk „Millionär“ ein gutes Gespür. Leider muss ihm dieses in den letzten fünf Jahren irgendwie abhandengekommen sein. Von seinem damals erworbenen Vermögen ist 2012 nämlich nichts mehr übrig. Die Gründe liegen zum einen bei seiner Sorglosigkeit, zum anderen bei einem griechischen Finanzberater.

Magerschweine und Mischwälder

Die Einbindung von Nikiforos Sarantakos mag nicht ganz zufällig erscheinen. Jaud trifft damit einmal mehr den Tonus der Leser und versteckt in den Zeilen aktuelle Themen, die der Alltag bereithält. Besagter Finanzexperte rät Simon zu Investitionen in die Haltung von Magerschweinen, hochmoderne Flugzeugturbinen und rumänische Mischwälder. Erfolgreich war keiner dieser drei Wege und so verzeichnet Peters mittlerweile ein sattes Minus von mehr als 200 %. Zu allem Überfluss muss er das irgendwie vor Freundin Annabelle geheim halten, ihr Studium soll natürlich weiterhin bezahlt werden. Auch das Finanzamt sitzt ihm gewaltig im Nacken. So darf Simon wieder einmal ordentlich improvisieren, um sich aus der Schlinge zu ziehen. Dass er dafür versucht Promikoch Jamie Oliver wegen einem nicht möglichen 30-Minuten-Gericht zu verklagen und auch über die Einnahmequelle Weltuntergang am 21.12.2012 nachdenkt, gestaltet Jaud eindrucksvoll amüsant. Damit trifft er definitiv wieder einmal genau ins Schwarze und gibt dem Leser exakt das zum Lesen, was er sich wünscht.


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