Buchtipp: Sandra Brown – Seinen Exmann küsst man nicht & Bittersüße Zärtlichkeit

Sandra Brown ist keine feinfühlende Jane Austen und doch schaffen es ihre Bücher mit bester Regelmäßigkeit auf die New York Times-Bestsellerlisten und wurden mit einer Gesamtauflage von 40 Millionen Exemplaren verkauft. Während ihre Krimigeschichten noch mit Joy Fieldings Werken verglichen werden, klingen die Kritiker ihrer Romanceromane zum Teil weniger euphorisch. Vielleicht liegt der Grund in dem von ihr vermittelten Frauenbild. Ihre am Anfang der Geschichte noch emanzipierten Heldinnen finden ihr finales Happy End in der Rolle der sorgenden Hausfrau. Bestätigt sich diese pauschale, kritische Einschätzung auch in ihrem neuen Buch, in dem sie „Seinen Exmann küsst man nicht & Bittersüße Zärtlichkeit“ in Kombination veröffentlicht?

Hersteller besser als das Produkt?

Sandra Brown besitzt nicht unbedingt den klassischen Lebenslauf, den man von einer Erfolgsautorin erwarten würde. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin war sie sehr erfolgreich im Model- und Schauspielbusiness tätig. Es wäre keine Übertreibung zu behaupten, sie sei ein Star. Gemeinsam mit ihrem Mann, selbst gut beschäftigter TV-Produzent, lebt sie im Wechsel in Texas und South Carolina. Von hier veröffentlicht sie seit 1990 unter den Pseudonymen Rachel Ryan, Laura Jordan und Erin St. Claire. Bis heute wurde ihr literarisches Schaffen mit sechs Preisen geehrt. Ihre Vorstellung des Amerikanischen Traums zeigt sich sehr deutlich bei der Betrachtung ihrer Homepage, die in ihrer Art, zynisch beschrieben, an übertrieben hochpolierte U.S.-Serien à la „Beverly Hills 90210“ erinnert. In diesem Zusammenhang wundert es auch nur bedingt, dass sich die Recherche nach ihrem Alter zur Suche der Botox-Nadel im Heuhaufen entwickelt. Eine bösartige Unterstellung meinerseits, aber unvermeidbar, nachdem das strahlende Antlitz der fast 63-Jährigen die Neugier und Fragen schürte. Doch diese Randbemerkung diente nur der informativen Gerüchteküche, die an dieser Stelle schließt und in den Feierabend geht.

Seinen Exmann küsst man nicht

Die Jugendliebe treibt oft saure Früchte, die unreif geerntet werden. Dani, Tochter aus wohlhabendem Hause, verliebt sich mit zwanzig Jahren in Logan. Eine impulsive Hochzeit beschließt die feurigen Gefühle mit einem Schwur. Doch der unerbetene Schwiegersohn will so gar nicht in den vorab kalkulierten Finanzrahmen der Eltern passen. Dank deren konsequenter Überredungskunst annulliert Dani das Versprechen noch am selben Tag und der Kontakt bricht infolge der Geschehnisse ab. Zehn Jahre später erfolgt das unerwartete Wiedersehen unter vollkommen anderen Umständen. Logan, nunmehr selbst Millionär, besitzt ein Grundstück, an dem Dani Interesse hat. Logan nennt seinen Preis, der eine verspätete Hochzeitsnacht beträgt.

Bittersüße Zärtlichkeit

Lilah und Adam sind flüchtige Bekannte und hegen eine ausgeprägte Abneigung füreinander. Konservativer Karrieremensch trifft auf unkonventionelle Praktikerin. Adams Leben nimmt mit einem schweren Autounfall eine dramatische Wendung. Beinahe unfähig zu laufen, soll Lilah, als gerühmte Physiotherapeutin, seinen Heilungsprozess begleiten. Die entstehende Situation gleicht einem verbalen Tanz zweier Kampfhähne und spart keine Beleidigung aus. Bis zu der Stelle, an der beide das Sprichwort „Was sich neckt, das liebt sich!“, auf Wahrheitsgehalt prüfen müssen.

Die Bilanz

Die fast einstimmige Meinung vieler Leser beschreibt beide Geschichten als „heitere Unterhaltung für diesige Tage“. Insgesamt ist das ein nettes, aber kein preisverdächtiges Urteil. Die These nach der fehlenden Emanzipation der Einleitung darf hier nicht beantwortet werden, um das Ende nicht vorwegzunehmen. Eine Bitte um Entschuldigung an alle, die nun ein handfestes Resultat erwartet haben. Bei allen spitzfindigen Bemerkungen, die der heutige Buchtipp zweifelsohne inne hat, greift Mrs. Brown trotzallem auf eine gewaltige Leserschaft zurück. Nicht nur Nitzsche, Capote und Kafka sind bis heute verehrte Schriftsteller, sondern auch Autoren der bewusst gewählten Leichtigkeit einer literarischen Popkultur. Vergleichbar mit einer allabendlichen Serie um die Tragik des Alltags aus zu blenden darf man ihre Niederschriften guten Gewissens an jene Leser empfehlen, die auch darin gute Unterhaltung finden.


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