Buchtipp: Roger Willemsen – Momentum

Roger Willemsen - MomentumEs gibt viele Autoren, denen aus meiner Sicht zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. Bei anderen wiederum, die total in den öffentlichen Fokus gerückt werden, kann man nicht gerade von hochwertiger Literatur sprechen. In diesem Sinne ist es nicht ganz aus der Luft gegriffen, zu behaupten, dass wirklich gute Literaten arm bleiben. Sie bleiben einfach zumeist unverstanden. Roger Willemsen ist für mich ein solcher Schriftsteller, einer, der hochwertig schreibt und dafür nicht jene Wertschätzung genießt, die ihm eigentlich gebührt. Zwar lebt der heutige Professor der Humboldt-Universität zu Berlin nicht gerade an der Armutsgrenze, seine Leistung aber ist bisher nicht so belohnt worden wie es richtig wäre. Vielleicht schafft er dies ja mit „Momentum“, seinem neuen Stück, in dem er sich ganz dem Augenblick hingibt.

Die gewohnte Tiefe

Spätestens nach seinem letzten Werk „Die Enden der Welt“ kann es keine zwei Meinungen mehr über Willemsen geben. Dort hat er von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, die am Kap der Guten Hoffnung, am Himalaja oder in Mumbai gesammelt wurden. Die unterschiedlichsten Ecken der Welt bekamen wir so komprimiert und mit viel Anschauungsmaterial direkt ins Wohnzimmer geliefert, wobei gerade der Topos Mensch stets präsent war. Nun in „Momentum“ geht es ebenfalls um unsere Spezies, wenngleich in diesem Fall auf einer anderen Ebene. Er zeigt Momente auf, die besondere Beachtung verdienen. Sie können mit den unterschiedlichsten Gefühlen verbunden werden, doch sie alle eint die Tatsache, eine große Bedeutung zu tragen

„Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten.“

Auch, wenn das Buch eine sehr persönliche Note des Autors enthält, lässt dieser doch keinen Zweifel daran, dass es genauso gut auf jeden anderen zu adaptieren wäre. Willemsen verweist auf Situationen, spricht über Gefühle und Dialoge. Er thematisiert die Liebe und weicht auch vor schlechten Erfahrungen nicht zurück. Die zentrale Frage, die dabei gestellt wird, ist jene nach dem Glück im Leben. Was macht uns glücklich und was prägt uns? Eine Antwort darauf lässt sich nur zwischen den Zeilen finden, wo man dann auch wieder bei hochwertiger Literatur wäre. Über dem Raum, der viel Interpretation ermöglicht, steht immer sein monumentales Fazit, dass wir unser Leben zwar nicht verlängern, es aber bestmöglich füllen können.


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