Buchtipp: Michail Gorbatschow – Alles zu seiner Zeit

Gorbatschow - Alles zu seiner ZeitBevor Angela Merkel die Geschicke unseres Landes und letztlich auch die europäischen übernahm, war es um Frauen innerhalb der politischen Spitzenpositionen eher etwas rar. Damen wie Margaret Thatcher bildeten tendenziell eher die Ausnahme, es schien eine Art Männermonopol. Trotzdem aber spielten auch die Frauen in der politischen Führungsetage eine entscheidende Rolle, wenngleich sie es an der Seite ihrer Männer eher aus dem Hintergrund heraus taten. Man denke dabei nur mal an Loki Schmidt oder eben Raissa Gorbatschowa, die verstorbene Frau des ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion und Friedensnobelpreisträgers Michail Gorbatschow. Dieser widmet sich in seinem neuen Werk „Alles zu seiner Zeit“ vor allem der Frau an seiner Seite – es ist sein bisher persönlichstes Schriftstück.

Blick auf die Politik im vergangenen Jahrhundert

Wer hofft, dass man in Gorbatschows neuem Buch ein Bildnis der heutigen russischen Politik erhält, den muss man enttäuschen. Nichtsdestotrotz aber handelt es sich um ein Werk, das von Politik nur so strotzt. Gorbatschow blickt mit Wehmut auf die einstigen Verhältnisse, berichtet davon, wie niedergeschlagen sein Großvater nach dem Sieg im Krieg gegen die Deutschen heimkehrt. Er fühlt sich nicht wie ein Sieger, das gewonnene Land gleicht einer Hölle, die mit Armut, Kummer und Verwahrlosung gekennzeichnet ist. Es  sind viele dieser frühen Erlebnisse, die den Autor geprägt und ihn aus dem ländlichen Stawropol hinaus in die weite Welt getragen haben. Der junge Gorbatschow träumt von Veränderung, später soll das Ende des Kalten Krieges durch Glasnost und Perestroika erreicht werden.

Eine starke Frau an seiner Seite

Dank seinem Verdienst für die Menschheit scheint der Friedensnobelpreis von 1990 ohne Frage gerechtfertigt. Schließlich gaben Gorbatschows Reformen den Menschen die Chance auf Freiheit und Selbstbestimmung, auf Glück und vor allem auf Leben. Den Preis dafür bezahlte er selbst. Zwar fallen die Mauern zwischen Ost und West, damit aber auch die Sowjetunion, wofür der Politiker in der Heimat keinesfalls nur Zuspruch erntet. Die Anfeindungen steigen, sie sind, so Gorbatschow heute, der Grund für den Tod seiner Frau. Raissa erkrankte 1999 an Blutkrebs, drei Monate später verliert sie den Kampf. Obwohl es medizinisch fragwürdig ist, gibt der Witwer sich die Schuld daran. So wird die autobiografische Erzählung mit steigender Seitenanzahl mehr und mehr zu einer Hommage an die Verstorbene, der wichtigsten Sache im Leben des Michail Gorbatschow.


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