Buchtipp: Martin Suter – Die Zeit, die Zeit

Martin Suter - Die Zeit, die ZeitSie ist ein Faktum, dass wir nicht verändern können. Weder liegt es in unserer Macht, die uns gegebene Zeit auszudehnen noch sie zu betrügen. Das Einzige was uns ermöglicht wird, ist es, sie bestmöglich auszufüllen. Eine strategische Planung der eigenen Zeit ist nicht nur im Berufsleben von großem Vorteil, auch der private Alltag profitiert davon. Ein gutes Zeitmanagement sollte deshalb jeder anstreben. Was aber nach wie vor fernab des Möglichen bleibt, ist es die Zeit zurück- oder voranzudrehen. Viele Situationen geben dazu Anlass, ein Jahr zurück zu reisen oder eine schwere Phase schnellstmöglich hinter sich zu bringen. In Martin Suters neuem Roman „Die Zeit, die Zeit“ geht es irgendwie um beides.

Lässt sich die Zeit vielleicht doch austricksen?

Eigentlich hat ein Tag 24 Stunden und jede Stunde hat 60 Minuten. Sieben Tage ergeben eine Woche, rund 52 Wochen ein Jahr. Das alles sind Fakten, die wir nicht wirklich bestreiten können und als gegeben annehmen. Ebenso gilt das Jahr 1789 als Beginn der Französischen Revolution, die Phase zwischen 1933 und 1945 als Zeit des Nationalsozialismus. Beides lässt sich nicht rückgängig machen. Gleiches müssen wir für den Tod eines Menschen akzeptieren. Wir wollen ihn aufgrund unserer Liebe zwar gerne wieder in unser Leben bringen, sind es aber nicht imstande zu tun. Peter Taler muss das erkennen, wenngleich es ihm nicht leicht fällt, zumal er sich selbst für mitschuldig am Tod seiner geliebten Frau Laura hält. Diese wurde direkt vor der Haustür erschossen, auch, weil er nicht rechtzeitig die Tür öffnete. Seitdem holen ihn die Erlebnisse beim Blick aus dem Küchenfenster ein. Er schießt Fotos, um das Ganze zu verarbeiten und erblickt dabei Nachbar Krupp, der Seltsames zu planen scheint. Er reißt die Pflanzen der umliegenden Grundstücke heraus. Taler spricht ihn darauf an und erfährt vom Plan, die Welt auf den Stand von vor zwanzig Jahren zurückzusetzen. Nur so sei es möglich, die eigene an Malaria verstorbene Frau wieder zu erlangen. Taler soll ihm dabei helfen, auch, wenn er den Plan nicht so recht ernst nehmen kann.

Der Erfolgsautor agiert bemerkenswert autobiografisch

Martin Suter hat in den vergangenen Jahren so manch bemerkenswerten Roman veröffentlicht, sich selbst hielt er aus diesen eher heraus. Nun aber erleben wir einen neuen Suter, einen, für den gerade das Thema Zeit mittlerweile zum üblen Begleiter geworden ist. Vor einigen Jahren verlor er seinen Adoptivsohn. Seitdem denkt Suter anders über das Leben, das ihm vorher so viel Glück bescherte. Es sei falsch, dass sich die Welt danach weiterdrehe, heißt es unter anderem. Insofern scheint der aktuelle Roman auch ein Stück Chance zu sein, die eigenen Erfahrungen zu verarbeiten und vielleicht die Lust am Leben wiederzufinden.


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