Buchtipp: Manfred Spitzer – Digitale Demenz

Manfred Spitzer - Digitale DemenzWer heutzutage kein Smartphone mehr besitzt und mit einem Handy telefoniert, das allein der einstigen Bestimmung des Telefonierens und SMS-Schreibens genügt, wird nicht selten schief von der Seite angesehen. Ebenso geschieht es mit den Leuten, die nicht bei Facebook, Twitter und Co. ihre täglichen Erlebnisse und die dazugehörigen Fotos miteinander austauschen. Die anderen wiederum, jene „Normalen“, die in den sozialen Netzwerken mehr Freunde haben als in der realen Welt, gelten als die Menschen des 21. Jahrhunderts. Auch die Grenzen, wann man den ersten Kontakt mit den modernen Medien erlebt, haben sich gewaltig nach unten verschoben. Der anerkannte Neurowissenschaftler Manfred Spitzer besitzt dazu eine Ansicht, die der Masse als ein Dorn im Auge erscheint. Sein Werk „Digitale Demenz“ wirkt deshalb wie eine brutale Analyse, die dem einer oder anderen nicht wirklich gefallen kann.

Wenn das Internet unser Denken vermindert

Die Szenarien, die Hollywood in einigen Filmen konstruiert, sind sehr beängstigend. Doch ohne Frage sind Maschinen, die irgendwann einmal unsere Denkleistung übernehmen und uns nicht nur als praktische Alltagshilfen unter die Arme greifen, keine Sache mehr, deren Entwicklung weitere Jahrhunderte bedarf. Smartphones und das facettenreiche Internet sind der beste Beleg dafür. Suchmaschinen wie Google geben uns Informationen über alles und jeden. Dass wir diese nur kurzzeitig speichern und nicht für länger in unser Wissen integrieren, ist auch eines der vielen Resultate der Studie Spitzers. Gleiches gilt für Geburtstage und andere Termine, für das Rechnen und die Rechtschreibung, was komplett von der Technik übernommen wird.

Gefährlich für die Entwicklung

Das sorgt dafür, dass unser eigenes Denkvermögen und die Fähigkeit Dinge zu erlernen nachlassen. Je weniger wir erlernt haben und je eher wir unsere Denkleistung von den Medien übernehmen lassen, desto schneller beginnt auch der Verfallsprozess. Spitzer erklärt deshalb in seinem Werk, warum es so wichtig ist, die modernen Medien bei der Erziehung und auch in der Bildung möglichst spät einzuführen. Kindergärten und Grundschulen sollten komplett frei von Computern sein und eher auf die traditionellen Lernmaterialien zurückgreifen. Der Autor belegt die zahlreichen Vorteile mit Forschungsergebnissen, die ausführlich dargestellt sind und sich nicht so ohne weiteres widerlegen lassen. Ohnehin wirkt das gesamte Werk, dem auch gute 40 Seiten Anmerkungen angehören, wie eine wissenschaftliche Studie, wenngleich diese auch für den Laien zu verstehen ist. Das einzige Problem dürfte die Thematik sein, die garantiert auf vielerlei verschlossene Ohren und Augen trifft.

 


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