Buchtipp: Ken Follett – Winter der Welt

Follett - Winter der WeltMit dem Aufschreiben von Geschichte ist das so eine Sache. Sie ist nach der subjektiven Darstellung des Autors ausgerichtet. Eine einzige Wahrheit wie in der Mathematik gibt es dabei nicht, immer nur die berühmten zwei Seiten der Medaille. Entscheidend ist, dass die unterschiedliche Darlegung der Ereignisse authentisch wirkt und auf Gehör beim Leser trifft. Ob es sich dann exakt so begeben hat, können wir nie mit Sicherheit sagen. Manchmal liegt das auch gar nicht in unserem Interesse. Was letztlich bei historischen Romanen der Wahrheit entsprungen ist und was nicht, lässt sich noch weniger ausmachen. Unterhalten wie Ken Folletts neues Werk „Winter der Welt“ können sie aber in jedem Fall und somit wird Geschichte auch irgendwie zu etwas, das der Betrachter mitformt.

Zweiter Teil der Jahrhundertsaga

Ken Follett war zum Anfang seiner Karriere alles andere als ein Bestsellerautor. Nach dem Philosophiestudium und einer Zeit als Journalist begab er sich in den Dienst eines kleinen Verlags. Die ersten Schriftversuche, die durch den engen Literaturumgang praktisch vorprogrammiert waren, wurden zwar verlegt, aber nur in geringer Stückzahl an den Mann gebracht. Der Durchbruch gelang ihm schließlich  mit „Die Nadel“, einem Thriller, der später mit Donald Sutherland verfilmt wurde. In Deutschland stieg die Anerkennung für Follett, dessen Werke mittlerweile international auf den Bestsellerlisten zu finden sind, mit der mehrteiligen Verfilmung von „Die Säulen der Erde“ vor knapp zwei Jahren. 2010 veröffentlichte er mit „Sturz der Titanen ein weiteres historisch geprägtes Werk. An dieses anschließend präsentiert er nun mit „Winter der Welt“ eine Fortsetzung, die dem Erfolg der Vorangebrachten vermutlich in nichts nachstehen wird.

Eine gefährliche Phase

Nachdem der Autor im ersten Teil verschiedene Perspektiven vorstellte und dies von Erfolg gekrönt war, lässt er auch in der Fortsetzung Menschen unterschiedlichster Herkunft zu entscheidenden Protagonisten wachsen. Mit dazu gehören Lloyd Williams, der mit Argwohn auf die Machtergreifung Hitlers blickt und sich dazu entschließt, der kranken Ideologie des Faschismus die Stirn zu bieten. In den Widerstand begibt sich auch die Adelige Carla, die ihrerseits große Sympathie für das unterdrückte Volk empfindet. In den Vereinigten Staaten muss der Präsident derweil die Folgen der Weltwirtschaftskrise eindämmen. Die junge Daisy sieht darin eine Möglichkeit, sozial aufzusteigen – ein Traum, den viele hegen und an dem die meisten Menschen zu Grunde gehen. Auch in Russland steht die Phase für eine gefährliche Zeit, scheitert der Revolutionsgedanke doch an der brutalen Gangart der Bolschewisten. Follett vereint alle individuellen und globalen Schicksale perfekt miteinander und bereitet den Leser so auf die folgende Historie, in welcher der Zweite Weltkrieg das Geschehen bestimmt, vor.


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