Buchtipp: Julian Barnes – Unbefugtes Betreten

Barnes - Unbefugtes BetretenVielfach kann man sich fragen, was ein wirklich gutes Buch ausmacht. Ist es die Spannung, die ein theoretisches Kriminalkonstrukt aufbaut oder aber die herzzerreißende Liebesgeschichte, an welcher man gerne selbst teilhaben möchte? Womöglich sind es die autobiografischen Beschreibungen eines angehimmelten Stars oder aber ein Sachbuch, das einem eine alltägliche Hilfe darstellt. Beim heutigen Buchtipp von Bestsellerautor Julian Barnes, der zuletzt mit dem Roman „Vom Ende einer Geschichte“ für großes Aufsehen sorgte, scheint der Erfolg aus einem noch ganz anderen Grund vorprogrammiert. Der Aufbau ist sein entscheidender Joker, verblüfft er mit diesem doch einmal mehr den Leser, der gar nicht so richtig weiß, wo der Autor hier selbst seine Schwerpunkte setzt. So präsentiert sich „Unbefugtes Betreten“ als eine herausragende Sammlung vieler einzelnen Geschichten, die allesamt brillant erzählt sind und zwischen denen ganz gerne hin und her gesprungen wird.

Begierde und Verlangen, Liebe und Freundschaft

Wie vielseitig der Schriftsteller Barnes, der auch unter dem Pseudonym Dan Kavanagh veröffentlicht, ist, hat er bereits vielfach bewiesen. Seit gut dreißig Jahren widmet der gebürtige Brite sein Leben dem Schreiben. Nach der anfänglichen journalistischen Arbeit versuchte er sich mit dem Werkeln an Kriminalszenarien. Später dann kamen Novellen und auch Liebesromane hinzu. Nun steht seine Arbeit ganz im Stern der Kurzgeschichten. Diese wurden zentralen Themen untergeordnet, setzen sich doch alle Personen trotz ihrer unterschiedlichen Blickwinkel mit den Problemen des sozialen Zusammenlebens auseinander. Dies beinhaltet historische und moderne Augenblicke, in denen es um Liebe und Freundschaft geht, um erotische Fantasien, um Lug und Betrug.

Von Garibaldi bis zum Immobilienmakler Vernon

Dass der Topos Liebe letztlich das ist, was alle Generationen überdauert, zeigt die breite zeitliche Streuung, die der Autor für seine Erzählungen wählt. Barnes schreibt über Eroberer Giuseppe Garibaldi, der in der brasilianischen Kleinstadt Laguna eine Begegnung erlebt, die in ihm ein totales Gefühlschaos auslöst. Ganz ähnlich ließe sich auch der Zustand von Joanna und Phil beschreiben, wenn diese beiden über Sex diskutieren. Es sind die Stärken und Schwächen, die jeder Mensch mehr oder weniger preisgibt und welche Barnes sehr authentisch aufgeschrieben hat. In diesen Zusammenhang lässt sich auch das Schicksal von Vernon eingliedern. Der Immobilienmakler versteht nicht so recht, warum seine neue Freundin Geheimnisse vor ihm haben muss. Die Tatsache, die ihn fast in den Wahnsinn treibt, beweist einmal mehr das Prinzip, welches Barnes verdeutlicht. Menschen sind und bleiben emotional gesteuerte Wesen.


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