Buchtipp: Joseph O´Connor – Irrlicht

Joseph O`Connor - IrrlichtEs gibt bewegende Bücher, welche der reinen Fiktion entspringen und welche, die noch viel beeindruckender sind, weil sie nichts anderes tun, als die Realität in Zeilen zu binden. Der irische Romanautor Joseph O´Connor mixt diese beiden Möglichkeiten und schafft damit eine besondere Liebesgeschichte, die sowohl reale als auch fiktive Geschehnisse miteinander in Einklang bringt. Thema seines Werkes „Irrlicht“ ist die Beziehung des Dramaturgen John Millington Synge und der jungen Schauspielerin Molly Allgood, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur auf der grünen Insel zu einem handfesten Skandal wuchs.

Wenn sich Liebe über moralische Normen hinwegsetzt

Mit John Millington Synge ist es keinesfalls eine unbedeutende Größe des Showgeschäfts, die sich in eine junge aufstrebende Schauspielerin mit großen Ambitionen verliebt. Der Mitbegründer des Dubliner Abbey Theatre fühlt sich von der Frische ihrer Jugend angezogen und ignoriert alle moralischen Grenzen, zu denen neben dem Alters- auch der Religions- und Klassenunterschied gehören. Dass Molly bei der Uraufführung seines legendären Dramas „The Playboy of the Western World“ eine entscheidende Rolle einnimmt, ist nur einer der Bestandteile ihrer innigen Liebe. Tragisch ist sie neben der vielen Steine, die den beiden in den Weg geworfen werden, aber vor allem wegen des frühen Todes von Synge, der 1909 mit gerade einmal 38 Jahren einem Lymphtumor zum Opfer fällt.

Brillant ausgeschmückt

Soweit hält sich O´Connor, der ältere Bruder von Sängerin Sinéad O´Connor, an die historischen Gegebenheiten. Weitere Episoden wie ein gemeinsamer Liebesurlaub in den Bergen jedoch entspringen allein seiner Fantasie. Die Story setzt in der letzten Lebenswoche Mollys im Jahr 1952 an. Vom Alter gezeichnet und mittlerweile der Alkoholsucht verfallen, blickt sie auf ihre große Liebe und die gemeinsamen Stunden zurück. Diese schmückt der Autor literarisch hochwertig aus, was in manchen Phasen gar an das große Handwerk von Joyce erinnert. Seine dichterischen Zeilen sorgen dafür, dass man mit den beiden Protagonisten und ihrem unwiderstehlichen Kampf für das Gemeinsame mitfühlen muss.


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