Buchtipp: „In 80 Jahren um die Welt – Autobiografie Teil 2“ von Bud Spencer

Unabhängig davon, ob man die Filme mit Bud Spencer für gut oder schlecht befindet, so ist die Zusammenfassung seines bisherigen Lebens allemal interessant. Der erste Teil,„Mein Leben, meine Filme – Die Autobiografie“, der eher den Anspruch hatte, eine chronologische Aufzählung seiner Eckdaten abzuhaken, wurde von einigen Lesern als zu oberflächlich befunden, obwohl das Buch ein absatzstarker Bestseller war. Wahrscheinlich rührte dieser Eindruck von der Fülle der Erlebnisse, die Spencer in seinen Memoiren bedachte. Die zweite Version hingegen, „In 80 Jahren um die Welt“ scheint schon allein vom Titel her eine liebevollere Annäherung an seine Erinnerungen. Dieser Gedanke bestätigt sich im Verlauf der ersten Seiten, in denen er tiefergehend, persönlicher und humorvoller von den einzelnen Stationen seiner Karriere berichtet, die viel mehr zu bieten hat als flache Sprüche, klatschende Backpfeifen und Männer, die durch Saloon-Türen fliegen.

Als Carlo Pedersoli bestritt er vor seiner Schauspielkarriere eine erfolgreiche Schwimmerlaufbahn, war mehrfacher italienischer Meister und nahm sogar an den Olympischen Spielen teil. Erst nachdem dieser Abschnitt abklang, erfolgte ein Anruf eines Filmproduzenten, der sich nach der aktuellen Sportlichkeit des heute 82jährigen erkundigte: Der Startschuss für circa 70 erfolgreiche „Spaghetti-Western“ und „Haudrauf-Komödien“ mit ihm in der Hauptrolle oder an der Seite seines ebenso berühmten Filmpartners Terence Hill. Dieser Bereich seines Wirkens ist wahrscheinlich keinem entgangen, aber wie steht es um seine Erfolge als Designer, Musikproduzent, Drehbuchautor oder Gründer einer Airline? Zweifelsohne ist dieser Mann mehr als ein eindimensionaler Schauspieler in der ewig-gleichen Besetzung: Er erreichte zwar nie einen akademischen Abschluss, doch selbst die Zulassung zu Studienfächern wie Jura, Sozialwissenschaften und Chemie zeugen von einem Intellekt, der auch abseits eines Faustkampfs zu diskutieren vermag.

Dementsprechend bedacht wirkt die Neuauflage seiner Biografie. Dieses Buch versteht sich als Danksagung an seine Familie, die ihn unermüdlich und verständnisvoll bei der Verwirklichung all seiner Ziele unterstütze. Gleichermaßen verneigt er sich vor seinen vielen Fans, die sein Gesicht auf  T-Shirts drucken und einen echten Kult um den Napolitaner betreiben. Mit Co-Autor Lorenzo De Luca präsentiert er sich noch ehrlicher, warmherziger und greifbarer für seine Leser. Unzählige, zum Teil unveröffentlichte Bilder illustrieren seine Anekdoten anschaulich und ungefiltert. Schonungslos beleuchtet er auch die Momente seines Lebens, die viele andere Berühmtheiten vielleicht unter den Teppich kehren würden. Entwaffnend sympathisch und befreit von Eitelkeiten schaut er zurück und gewährt intime Einblicke in ein Leben voller Neugier, Abwechslung und Menschlichkeit: Bud Spencer, der Mensch vor und nach Drehschluss, als liebenswertes Original.


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