Buchtipp: Hannes Jaenicke – Die große Volksverarsche

Die Schauspielerei ist ein Handwerk, mithilfe dem man eine ganze Menge bewegen kann. Zwar sind es meist fiktive Rollen, in die sich ein Künstler hineinversetzen muss, die er aufgrund seines Talents mit Leben erfüllt. Genau diese aber können ein Umdenken, ein Nachdenken im Zuschauer herauskitzeln. Hannes Jaenicke hat viele solcher Rollen, mit denen sich Zuschauer identifizieren konnten, gespielt. Beispielsweise Gilles Broca in „Hindenburg“ oder den Ruben Rath im „Tatort – Das schwarze Haus“. In „Die große Volksverarsche“ beweist er noch weitere große Talente, zeigt sich als Bestsellerautor und potenzieller Weltverbesserer.

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt

Mit „Wut allein reicht nicht“ war es dem gebürtigen Hessen bereits 2010 gelungen, sein politisches Interesse beeindruckend zu Papier zu bringen. Plädierte Jaenicke dort noch für einen verstärkten Umweltaktivismus, versucht  das neue Werk alle Täuschungen, die täglich auf die Menschen einfließen, aufzudecken. Das gelingt in den neun Kapiteln, die sich gegen unsere Medienwelt und das globale Verpackungssystem, gegen Auto-, Pharma- und Kosmetikindustrie richten, durchgehend. Mit einfachen Worten klagt der Autor diejenigen an, die sich auf Kosten anderer bereichern. Gleichzeitig macht er aber auch vor denen, die das überhaupt erst möglich machen, großen Teilen der Gesellschaft, nicht halt. Dies sorgt in Bezug auf die Einschätzung des Buches für ein geteiltes Bild. Genau diese Polarisierung aber scheint die Absicht von Herrn Jaenicke.

Wie soll denn unser Umweltminister die Energiewende hinbekommen?

Genau genommen ist das Werk geschrieben worden, um der Masse von einzelnen Missständen zu berichten. Dass dabei eben auch die Schuldigen detailliert benannt werden können, liegt an der guten Recherchearbeit, die dem eigentlichen Schauspieler eine brillante journalistische Dokumentation ermöglicht. Interessanterweise richtet sich der Autor gar nicht einmal gegen die hochrangigen Politiker. Herrn Altmaier zum Beispiel schätzt er sehr, als Menschen, aber auch aufgrund der politischen  Ansichten. Dass die nötige Energiewende bisher nicht erfolgt ist, liegt aber nicht an ihm, sondern den großen Energieunternehmen und anderen Lobbyisten. Ein Statement, das man einschätzen kann, wie man möchte. Ein Funken Wahrheit lässt sich aber sowohl der Aussage als auch dem kompletten Buch attestieren. Womöglich springt dieser bald auf die Masse über, die momentane Bestsellerspitzenposition stellt dies zumindest in Aussicht.


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