Buchtipp: Gillian Flynn – Gone Girl

Gone GirlUm mit Literatur erfolgreich zu sein gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten. Man kann ein Werk schreiben, das die Leserschaft durchweg positiv berührt. Einen gefühlvollen Roman beispielsweise, eine abenteuerlustige Lebensgeschichte oder einen Ratgeber für die alltäglichsten menschlichen Problemzonen. Die andere Variante besteht darin, etwas zu schreiben, das schockiert, die Masse in zwei Pole spaltet. Die einen kaufen sich das Schriftstück dann, weil es anders ist und Kontroverses aufgreift. Die anderen, damit sie aus erster Hand das erfahren, über was sie sich beschweren. „Gone Girl“ von Gillian Flynn ist ein verdammt erfolgreiches Stück Literaturgut, weil es beide Wege verfolgt hat. Die Geschichte ist durchaus brillant aufgebaut, besitzt einen literarischen Wert. Sie ist aber auch eine, die in ihrer Außenwirkung schockiert.

Die perfekte Mischung

Es kommt nicht von ungefähr, dass etablierte Kollegen wie Karin Slaughter oder Tana French das Werk Flynns rühmen. Die Würze, die uns die studierte Journalistin aus Kansas City da vorlegt, hat herausragendes Thrillerpotenzial. Die Filmrechte waren bereits kurz nach der Veröffentlichung verkauft, das Buch in Windeseile vielthematisierter Diskussionsstoff. Hauptgrund dafür ist zum einen das obszöne Geschehen, dass die Autorin ganz unverblümt an den Leser bringt, zum anderen eine recht derbe Wortwahl, die selbst noch in der stark abgemilderten deutschen Übertragung auf jeder Seite zu spüren ist. Für Zartbesaitete ist der Plot um das Ehepaar Amy und Nick wirklich nichts. Wer sich aber traut, wird es definitiv nicht bereuen.

Eine Ehe auf dem Prüfstand und ein Täter, der schnell ausgemacht scheint

Wenn man einen Mensch heiratet, dann gilt auch im 21. Jahrhundert weitgehend noch immer das Ideal, dass dieses Glück für ein Leben anhält. Bei Amy und Nick, die von Beginn an aus zwei vollkommen unterschiedlichen Welten stammen, waren die Zweifel der Beobachter immer schon zu spüren. Trotzdem haben sie bereits fünf Jahre durchgehalten, ehe Amy vom einen auf den anderen Tag spurlos verschwindet. Aus dem Umfeld des Paares sickert durch, dass sie sich von Nick trennen wollte, sie Angst vor ihm hatte. Im Wohnzimmer sind Kampfspuren zu sehen. Auch mysteriöse E-Mails weisen irgendwie darauf hin, dass Nick etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Thriller-geschulten Augen sollte aber auch klar sein, dass ein wirklich gutes Werk des Genres von seinen Überraschungen lebt. „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ liefert uns genau solche. Wer meint, dank der vielen Blickwinkel, die Flynn dem Leser ermöglicht, alles abgeleuchtet zu haben, wird schon bald in einer Sackgasse landen. Diese Autorin hat mit diesem Werk stets das Momentum auf ihrer Seite.


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  1. […] und sich stattdessen mit Freude der Gegenwart zu widmen? Gillian Flynn, die Erfolgsautorin von „Gone Girl“ hat das in ihrem Romandebüt thematisiert. „Cry Baby“ ist ein besorgniserregendes Buch, […]

    10.01.2014
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