Buchtipp: Fussball – EM 2012

Brügelmann - Fussball-EMVorab schien die diesjährige Europameisterschaft zu einem wahrhaftigen Desaster zu avancieren. Aus der Ukraine sorgte der Gefängnisaufenthalt von Ex-Ministerpräsidentin Tymoschenko für internationales Aufsehen. Vom Trainingslager der italienischen Nationalmannschaft hörte man jeden Tag Neuigkeiten zum Manipulationsskandal. Stammspieler wurden aufgrund einer vermuteten Beteiligung kurzerhand aus dem Kader geworfen, Trainer Cesare Prandelli sprach ganz offiziell von einem möglichen Rückzug seines Teams. Dass genau dieser sympathische Katholik am Ende zur eindrucksvollsten Persönlichkeit der Europameisterschaft werden sollte, beschreibt im Wesentlichen das gesamte, irgendwie verrückte Turnier. Dieses kann man sich ab sofort dank der tollen Informationen und Bilder von Matthias Brügelmann und seinem „Fussball-EM 2012“ jederzeit zurück in Erinnerung rufen.

Atemberaubende Tore und singende Verlierer

Schon die erste Halbzeit der polnischen Mannschaft machte Lust auf mehr, wenngleich der Gastgeber ebenso wie auch die Ukraine schon nach der Vorrunde die Segel streichen musste. Zwar zeigte sich in vielen Spielen, wie taktisch hochwertig mittlerweile alle Teams strukturiert sind, unglaubliche Tore konnten aber auch die besten Strategien nicht verhindern. Eines davon erzielte der junge Brite Welbeck per Hackentrick, ein anderes der schwedische Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic mit einem Seitfallzieher. Auch am Spielfeldrand konnte man Eindrucksvolles begutachten. So bleiben die irischen Fans, die selbst beim 0-4 gegen den späteren Europameister ihr Team euphorisch singend unterstützten, als eines der ganz besonderen Highlights festzuhalten.

Deutsche Erwartungen und spanische Klasse

In Deutschland galt der Titelgewinn eigentlich so gut wie abgemacht, doch letztendlich waren es wieder die Spanier, die den Pott in den Händen hielten. Nach einer souveränen Vorrunde, in der sich junge Spieler wie Hummels und Khedira internationale Lorbeeren verdienten, wurde Griechenland impulsiv aus dem Turnier geschossen. Im Halbfinale traf man schließlich auf Italien und erlebte eine ähnlich böse Überraschung wie schon 2006. Von der Raffinesse des Fußballlehrers Prandelli und der Effektivität seiner Spieler überrannt, lag man zurück und konnte das unheilsame Schicksal nicht mehr abwenden. Spanien hingegen stotterte sich durch das Turnier, zeigte bis auf das Spiel gegen Irland keine überragenden Leistungen und zitterte sich gegen Kroatien durch die Vorrundengruppe. Am Ende jedoch, beim großen Finale gegen Italien, unterrichtete man die Welt einmal mehr in Sachen Fußballästhetik.

Viele gute Spieler, doch das Team gewinnt

Trotz der Finalpleite zählt Italien ganz sicher zu den positiven Erscheinungen des Turnier. Virtuose Pirlo und Torwartlegende Buffon bewiesen wieder einmal ihre immer noch vorhandene internationale Klasse. Auch der oftmals als arrogant geltende Portugiese Ronaldo hat ein ordentliches Turnier gespielt, ebenso der mit großen Erwartungen bestückte Mesut Özil. Im Großen und Ganzen hat sich aber die beste Mannschaft durchgesetzt. So kassierte Spanien trotz der vielen Offensivkünstler während der sechs Spiele nur ein Gegentor und legte in erster Linie damit den Schlüssel für den Erfolg. Spieler des Turniers wurde mit Andres Iniesta zudem jemand, der selbst nicht einen Treffer aus dem Spiel heraus zum Titel beitrug. Auch das passt letztendlich zu einem unorthodoxen Fußballturnier, dessen ganze Emotionen wir dank Brügelmann komplett zusammengefasst bekommen.


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